Die gefährlichsten Vulkane Italiens, Teil 4

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Teil 4: Marsili Seamount:


Marsili ist ein submariner Vulkan(Seamount) im Tyrrhenischen Meer, nördlich der Liparischen Inseln und womöglich der gefährlichste Vulkan Europas.

Der Seamount befindet sich 180 Kilometer südlich von Neapel innerhalb einer 30×60 Kilometer großen Senke, welche möglicherweise eine Caldera darstellt. Der Boden der potentiellen Caldera liegt bis zu 3500 Meter unterhalb des Meeresspiegels. Der Gipfel von Marsili und dessen “Zwilling” Pliny Seamount” liegt 450 Meter unterhalb des Meeresspiegels. 
Der Vulkan wird erst seit wenigen Jahren richtig erforscht, weshalb nichts, oder zumindest nicht viel über die Eruptionsgeschichte des Vulkans bekannt ist. Er gehört auf jeden Fall zu einer ganzen Kette von untermeerischen Vulkanen. Einer der ebenfalls noch aktiv ist, ist Palinuro, der am Ostende der Caldera liegt, und dessen letzter bekannter Ausbruch knapp 8000 Jahre zurück liegt..

Man weiß aber, dass Marsili noch aktiv ist. Noch vor wenigen Jahren traten aus dem Vulkan große Mengen Gas aus, die dafür sorgten, dass haufenweise tote Fische an die Strände gespült wurden.
Die größte Gefahr, die von Marsili ausgeht, sind die Tsunamis. Wenn die instabilen Flanken des Seamount ins rutschen geraten, sei es durch ein Erdbeben oder durch eine Eruption, können gewaltige Flutwellen entstehen, die alle Küsten des Mittelmeeres erreichen könnten. Für die italienische Küste würde eine Vorwarnzeit von 20 Minuten bestehen, was wahrscheinlich nicht reichen wird um alle Menschen in Sicherheit zu bringen. Allein im Großraum Neapel wären zehntausende Menschen bedroht. Vor allem im Sommer, wenn sich die meisten Menschen am Meer aufhalten, kann die Opferzahl sehr hoch sein.
Aber auch vom Vulkan selbst geht Gefahr aus. Wegen seiner Größe und seiner gigantischen Magmakammer von der Größe der Schweiz wird vermutet, dass Marsili ein Supervulkan ist. Sollte es zu einer Supereruption kommen, würden gigantische Aschewolken über Südeuropa ziehen und den Tag zur Nacht machen. Pyroklastische Ströme könnten die Küsten erreichen und alles zerstören was sich ihnen in den weg stellt.
Die Forscher sind sich einig: Marsili kann jederzeit ausbrechen. Schon ein eigentlich harmloses Erdbeben in der Nähe des Berges könnte ihn zum Einsturz bringen und so eine Eruption auslösen.
Aber ob es zu einer Supereruption kommen kann, ist nicht sicher. Fest steht, dass auch die kleinste Eruption einen riesigen Tsunami auslösen kann, der tausende Menschen töten kann.
Daher wird Marsili mit Seismographen und Magnetometern durchgehend überwacht, um frühzeitig warnen zu können, wenn der größte Vulkan Europas aus seinem Schlaf erwacht.

Das war es mit der Serie “Die gefährlichsten Vulkane Italiens”. Hier nochmal ein Überblick aller vier Teile:

Teil 1: Campi Flegrei
Teil 2: Vulsini
Teil 3: Albaner Berge

Nächste Woche geht es weiter mit einer neuen Reihe über Vulkane. Welche es sein wird, werde ich nicht verraten. Das müsst ihr selbst herausfinden 🙂

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Jens Skapski

Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.