Erdbebenschwarm am Bardarbunga verstärkt sich weiter – Eruption vom Samstag nicht bestätigt – Bisher stärkstes Erdbeben (M 5.3)

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veröffentlicht: 17. August, 09.08 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. August, 16:59 Uhr
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Seit der Eruption des Eyjafjallajökull im Frühjahr 2010 bekommen die isländischen Vulkane und die damit einhergehende Erdbebenaktivität verstärkt Aufmerksamkeit von Beobachtern aus aller Welt. Vulkane wie Katla, Hekla Askja und Grimsvötn, der im Jahr 2011 ausbrach, waren im Mittelpunkt. Weniger auffällig war ein zweiter Vulkan unter dem Vatnajökull, dem größten Gletscher Europas, obwohl er während der letzten 4 Jahre durchgehend leichte Zeichen von Aktivität zeigte. Darunter vermehrt leichte Erdbeben, teils in kleinen Schwärmen auftretend, sowie Bodendeformationen.

Bardarbunga

Aus diesen leichten Aktivitäten am Bardarbunga wurde am Samstag morgen einer der stärksten vulkanischen Erdbebenschwärme der letzten Jahre auf Island. Mehr als 700 Erdbeben wurden in den letzten 48 Stunden erfasst, teils traten sie im Minutentakt auf. 6 Beben erreichten Magnitude 3, das stärkste Magnitude 3.5. Die Behörden von Island bestätigen Magmabewegungen als Ursprung der Erdbeben. Der Vulkan wurde auf die niedrigste Warnstufe Gelb gesetzt – Eine Eruption gilt somit als „möglich“. Auch wurden entsprechende Vorbereitungen eingeleitet. So wurde zum Beispiel die isländische Luftfahrtbehörde informiert.
Ob es bereits zu einem Ausbruch kam, ist nicht bekannt. Der Bardarbunga liegt unter einer hunderte Meter dicken Eisschicht. Ein subglaziler Ausbruch kann daher nur vermutet werden.

Bardarbunga liegt etwa 230 Kilometer östlich der isländischen Hauptstadt Reykjavik. Er gilt als einer der gefährlichsten Vulkane Islands. Eine 16 Kilometer große, und 700 Meter tiefe Caldera zeugt von der Kraft aus dem Erdinneren. Bardarbunga galt lange als unscheinbar. Erst in den vergangenen Jahren konnten mehrere schwere Eruptionen der Vergangenheit mit dem Bardarbunga in Verbindung gebracht werden, nachdem sie zunächst einem der Nachbarvulkane (z.B. Grimsvötn) zugeschrieben wurden.
Die letzte kleine Eruption nahe des Bardarbunga folgte im Jahr 1996 auf ein Erdbeben der Stärke 5. Diese Eruption wurde offiziell dem Nachbarvulkan Grimsvötn zugeschrieben. Zwischen dem Grimsvötn und dem Bardarbunga besteht eine starke Verbindung der Aktivitäten. In der Vergangenheit zeigten häufig beide Lokalitäten zeitgleich Aktivitäten. Zuletzt im Jahr 2011. Dort trat ein Erdbebenschwarm am Bardarbunga auf, die Eruption setzte am Grimsvötn ein, ähnlich wie 1996.

Ein weiterer Anstieg der vulkanischen Aktivität könnte zu einer Verstärkung der Erdbeben führen. Für besiedelte Gebiete von Island besteht davon ausgehend keine Gefahr. Gletscherläufe, ausgelöst verursacht durch schmelzendes Gletschereis, können besiedelte Gebiete am Unterlauf der nahen Flüsse gefährden.

Ob und wann es zu einem Vulkanausbruch kommt, ist unklar. Ebenso die Art der Eruption, und ob uns in Mitteleuropa pünktlich zum Ende des Sommerurlaubs ein neues Flugchaos drohen könnte.


Update 16.05 Uhr
Innerhalb der letzten Stunde hat sich der Erdbebenschwarm nochmals drastisch verstärkt. IMO registrierte zwischen 15.20 Uhr und 15.50 Uhr 45 Erdbeben, die meisten davon zwischen Magnitude 1.5 und 2.4.

Zunehmende Erdbebenaktivität deutet auf stärkere Magmabewegungen hin. Somit könnte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich das Magma einen Weg nach oben gesucht hat.


Update 21.08 Uhr

Seit Beginn der hohen Aktivitätsphase sind noch keine 48 Stunden vergangenen. Die Zahl der Erdbeben ist dennoch bereits in vierstelligen Bereich, mit fast 1100 Ereignissen. Der Großteil der Erdbeben hatte Magnitude 1- 2 (kleinere Erdbeben können schwieriger Erfasst werden. Somit ist die Gesamtzahl der Erdbeben wohl noch deutlich höher als der offizielle Wert.). Ein stärkeres mit Magnitude 3.3 gab es ebenfalls erneut, es ereignete sich um 20.15 Uhr MESZ.
Aktuell treten die Erdbeben im Abständen von ein bis drei Minuten auf. Die Epizentren konzentrieren sich vor allem auf zwei Lokalitäten. Zum Einen eine Linie am Nordrand des Vatnajökull Gletschers, nördlich vom Zentrum des Bardarbunga. Zum Anderen eine Stelle unterhalb des Gletschers, am Südostrand des Vulkankomplexes.

Die Behörden umliegender Gemeinden bereiten sich auf einen möglichen Ausbruch vor. Straßen, die im Falle eines Gletscherlaufes gefährdet wären, wurden geschlossen. Zudem wurden Evakuierungs- und Notfallpläne bereitgelegt, um im schlimmsten Fall schnell handeln zu können.

Eine akute Gefahr, dass der Ausbruch jederzeit einsetzen kann, besteht nach Ansicht der Forscher noch nicht. Nach Ansicht der Geologen könnte sich die Situation jederzeit ändern. Wenn die Erdbeben stärker werden, ist es ein Zeichen für wachsenden Druck. Magnitude 5 gilt als kritischer Wert, nach Angaben des Vulkanologen Harald Sigurdsson.


 

Ausläufer des Vatnajökull, aufgenommen nahe des Bardarbunga

Ausläufer des Vatnajökull, aufgenommen nahe des Bardarbunga (Foto: Fabian Rössler / blue-pics.net

Update 18. August, 06.39 Uhr
In der vergangenen Nacht hat sich die Erdbebenaktivität fortgesetzt. Das bisher stärkste Erdbeben dieses Schwarmes mit Magnitude 3.8 ereignete sich um 4.37 Uhr MESZ. Dieses war sogar bis in die nächste Siedlung spürbar. Weitere Beben über Magnitude 3 gab es nicht. Es gibt keine Anzeichen, dass in der Nacht eine Eruption eingesetzt hat. Am Tag werden Aufklärungshubschrauber den Gletschervulkan erneut überfliegen, um nach Zeichen der Aktivität zu suchen.


Update 10.21 Uhr

Etwa 2000 Erdbeben hat es seit Samstag Morgen am Bardarbunga gegeben, 1500 davon in den letzten 24 Stunden.Große Veränderungen in der Aktivität hat es in den vergangenen Stunden nicht gegeben. Nur der Zeitraum zwischen zwei Erdbeben hat sich leicht vergrößert. Teils lagen bis zu 10 Minuten zwischen einzelnen Beben. Durchschnittlich ereignen sie sich aber immer noch etwa alle 3 Minuten.
Beobachtet werden konnte ein periodisches Auf- und ableben des Schwarmes, wobei sich Phasen mit sehr hoher Aktivität und Phasen mit niedrigerer Aktivität (so wie zur Zeit) abwechseln.

Behörden haben die Überwachung erneut ausgebaut und zusätzliche Messinstrumente, sowie Webcams installiert. Auch Anwohner helfen bei der Überwachung, indem sie (aus sicherer Distanz) private Webcambilder vom Gletschervulkan, sowie aktuelle Beobachtungen online stellen.


Update 13.56 Uhr

Gegen 13 Uhr setzte ein erneuter Anstieg der Erdbebenaktivität ein – Sowohl bei der Anzahl der Erdbeben, als auch bei deren Magnitude. Zwischen 13 Uhr und 13.54 Uhr (MESZ) wurden insgesamt 55 Erdbeben erfasst. Die meisten davon im Bereich von Magnitude 2. Die beiden stärksten Beben erreichten Magnitude 2.6 und 2.9.

Zudem haben die Behörden die Warnstufe für den Flugverkehr auf „Orange“ erhöht. Dies bedeutet, dass eine Eruption deutlich wahrscheinlicher geworden ist.


Update 19.01 Uhr

Am Abend setzte sich die hohe Erdbebenaktivität fort, mit Erdbeben etwa alle zwei Minuten. Der Unterschied zum Mittag ist, dass die Erdbeben insgesamt stärker werden. Deutlich mehr Erdbeben über, oder knapp unter Magnitude 2 wurden erfasst. (Kleinere Erdbeben werden aus technischen Gründen nicht mehr registriert) Entsprechend bleiben auch alle Warnungen der Behörden bestehen. Dennoch bleibt eine genaue Vorhersage der Entwicklung der Ereignisse unmöglich. Der Vulkan könnte ausbrechen oder wieder in den Schlaf fallen. Auch eine Eruption an einem der Nachbarvulkane scheint möglich, da der Erdbebenschwarm ein großes Gebiet umfasst, dass die Grenzen des Bardarbunga sprengt.

Im Internet verbreiten sich mit der zunehmenden Aktivität immer mehr Falschmeldungen und panikartigen Reaktionen. So wird in manchen Blogs Bardarbunga fälschlicherweise als Supervulkan bezeichnet, der in anderen Blogs bereits am Ausbrechen ist.

Inzwischen hat der Vulkan auch die ersten Auswirkungen auf die isländische Wirtschaft. Obwohl eigentlich noch nichts geschehen ist, brach die Aktie der Isländischen Fluggesellschaft Icelandair um 4,35 Prozent ein. Die Angst vor Gewinneinbußen durch eine Aschewolke ist dort vorhanden. Wenn sich die Nachricht der Aktivität weiter verbreitet, könnten auch bald andere europäische Fluggesellschaften betroffen sein.

Nachträglich gab es noch eine Änderung beim bisher stärksten Erdbeben vergangene Nacht. IMO hat die Magnitude dieses Erdbebens am Nachmittag auf M 4.5 nach oben korrigiert.


 

Bardarbunga - Unter den Eismassen des Vatnajökull (Foto: blue-pics.net)

Bardarbunga – Unter den Eismassen des Vatnajökull (Foto: Fabian Rössler / blue-pics.net)

Update 19. August, 09.05 Uhr
Nachdem die Erdbebenaktivität in der ersten Nachthälfte ein wenig rückläufig war, hat sie sich am frühen Morgen wieder auf das vorherige Niveau mit Erdbeben, die etwa all zwei Minuten eintreten, gesteigert. Somit behält der Schwarm seine leichten Schwankungen, die auch in den vergangenen Tagen beobachtet wurden.
„Große“ Erdbeben über Magnitude 3 wurden nicht registriert, wohl aber einige im oberen Magnitude 2 Bereich. Nachträgliche manuelle Korrekturen nach oben (oder unten) sind möglich.
Durch die andauernde Erdbebenaktivität und gleichzeitigen Bodenhebungen im Bereich des Vulkanschlots ist es nahezu belegt, dass der Schwarm durch Magmaintrusion verursacht wurde. Eine Bewegung zur Oberfläche gibt es jedoch nicht. Die Hypozentren der Erdbeben sind gleichbleibend in etwa 5 bis 10 Kilometern Tiefe, der Weg nach oben ist für das Magma also (noch) versperrt. Horizontal scheint es jedoch eine Verschiebung gegeben zu haben. Die Erdbebenaktivität hat sich fast vollständig zum Nordostrand der Bardarbunga-Caldera verlagert.

Experten sind sich einig, dass es sehr unwahrscheinlich ist, wenn eine baldige Eruption ausbleibt. So bleiben auch die Warnungen und Straßenschließungen der Behörden bestehen. Der Premierminister von Island hat sich bereits mit Experten zusammengesetzt, um die Pläne im Falle einer Eruption zu besprechen. Auch die Bevölkerung wird verstärkt über die Medien informiert. Menschen in der potentiellen Gefahrenzone wissen, dass eventuell eine Evakuierung notwendig sein wird. (Gletscherläufe stellen die größte Gefahr dar. Sie können durch aufsteigende Wärme und schmelzendes Gletschereis auch auftreten, bevor der Vulkan überhaupt ausgebrochen ist.)

Um die Lage besser beobachten zu können, wurde eine Webcam online gestellt, die noch eine Gletscherlandschaft und vielleicht bald Lavafontänen und Aschewolken zeigen wird.


Update 17.19 Uhr

Wenig Veränderungen im Laufe des Tages. Die Anzahl der Erdbeben pro Stunde bleibt in etwa gleich. Die Stärke der Erdbeben ist ein wenig rückläufig, aber die letzten Tage zeigen, dass sich dies jede Minute ändern kann.
Das Zentrum der Erdbebenaktivität liegt weiterhin nordöstlich des Bardarbunga, wobei einzelne Erdbeben praktisch überall am nördlichen Vatnajökull auftraten. Isländische Computerexperten haben eine animierte Karte erstellt, die die Erdbeben am 17. und 18. August anzeigt. (Siehe: unten)

Neben den Fluggesellschaften scheint die Aktivität auch einen anderen Wirtschaftszweig aus Island hart zu treffen: Tourismus. Viele Menschen aus Europa und aller Welt haben in den vergangenen Tagen ihre bereits gebuchten Reisen storniert, wie der Direktor von „Discover Iceland“ miteilte. Neubuchungen seien zurückgegangen. Durch das Internet haben sich viele Menschen Zugang zu (Falsch)Informationen, die davon abhalten Island zu besuchen. Auch in Regionen, die nicht vom Vulkanausbruch betroffen wären, gingen die Buchungen zurück.
Das Risiko eines ungewollten längeren Aufenthalts durch eine mögliche Aschewolke ist ein zusätzlicher Faktor.

Dass die Isländer das Ganze dennoch auch mit Humor nehmen können, beweist ein Video der Nachrichtenseite mbl.is, das die richtige Aussprache des Bardarbunga [‚baurðarbuŋka] lehrt. Ein neues Eyjafjallajökull-Desaster bei Tagesschau und heute kann damit vermieden werden.

Animation: Erdbeben am Bardarbunga


Update 20. August, 08.55 Uhr
Auch in der vergangenen Nacht dauerte die Erdbebenaktivität an. Zwei kurze Intervalle mit besonders hoher Aktivität (und im Vergleich recht starken Erdbeben) setzten gegen 19 Uhr (gestern) und 5 Uhr MESZ ein. Dabei gab es dutzende Erdbeben über Magnitude 2, das stärkste mit Magnitude 3. Dieses ist das erste Magnitude 3+ Erdbeben seit 48 Stunden. Insgesamt gab es in diesem Zeitraum 1600 Erdbeben. Die Lage der Epizentren ist unverändert auf eine mehreren Kilometer langen Linie nordöstlich der Caldera am Rand des Vatnajökull. Allein zwischen Mitternacht und 8 Uhr heute Morgen wurden 300 Erdbeben registriert.

Bereits gestern Abend hat die Regierung neue Präventivmaßnahmen eingeleitet und ein bei Touristen beliebtes Gebiet nördlich des Vatnajökull evakuieren lassen. Dieses war in den letzten Jahrhunderten mehrfach von Gletscherläufen überflutet worden. Das ansteigende Risiko für Gletscherläufe und andere Gefahrensituationen habe zu diesem Entschluss geführt. Etwa 200 Menschen, überwiegend Touristen, waren betroffen. Zudem wurden weitere Straßen und Wanderwege in der Nähe des Bardarbunga gesperrt.

Neben der Schließung gefährlicher Gebiete steht zur Zeit auch die Aufklärung der Touristen im Mittelpunkt. Da es nicht möglich ist, das Sperrgebiet durchgehend zu bewachen, sei es wichtig die Menschen über mögliche Gefahren aufzuklären, so dass sie kein unnötiges Risiko eingehen. Es kann jederzeit zu einem Gletscherlauf oder eine Eruption kommen, ohne dass sich dort aufhaltende Menschen vorher gewarnt werden können. Außerdem ist nicht klar, wo es zur Eruption kommt.


Update 14.29 Uhr
Erneute Verschärfung der Lage: Seit 12 Uhr MESZ hat die Zahl der Erdbeben und Magnitude wieder deutlich zugenommen. Zwischen 12 und 13 Uhr gab es 55 Erdbeben, davon 12 Erdbeben über Magnitude 2. (Stärkstes: M 2.7)
57 Erdbeben wurden zwischen 13 Uhr und 14 Uhr registriert, davon 18 Erdbeben über Magnitude 2. (Stärkstes: M 3.0)
Das Zentrum der Aktivität verschiebt sich weiter nach Nordosten, so dass die meisten Beben nun im Umfeld des Nachbarvulkans Kverkfjöll stattfinden.

Kverkfjöll liegt ebenfalls unter dem Vatnajökull. Die letzte bekannte Eruption dieses Vulkans ereignete sich im Jahr 1968.

Anhand der Erdbebenhypozentren wird vermutet, dass das Magma noch in 7 bis 10 Kilometern Tiefe festsitzt, der Weg nach oben ist weiterhin versperrt.
Der Katastrophenschutz führt seit gestern Flüge über den Gletscher durch, um Aktivitäten zu beobachten. Zudem werden noch Touristen in der Sperrzone vermutet (wo sie sich im Falle einer Eruption in Lebensgefahr befinden). Diese Luftüberwachung soll noch verstärkt werden.

Update 15.26 Uhr
Weitere 50 Erdbeben wurden zwischen 14 und 15 Uhr MESZ verzeichnet, davon 11 über Magnitude 2. (Stärkstes Erdbeben: Magnitude 2.4) Um 15.10 Uhr folgte wieder ein stärkeres Erdbeben mit (vorläufig) Magnitude 3.1, das dritte „Dreier“ an diesem Tag. Insgesamt ist auch ein leichter Trend zu flacheren Erdbeben in nur noch etwa 5 Kilometern Tiefe zu erkennen.

Schwerpunkt der Erdbebenaktivität am 20. August (Rotes Polygon)

Schwerpunkt der Erdbebenaktivität am 20. August (Rotes Polygon)


Update 19.19 Uhr

Ungefähre Ausdehnung der evakuierten / gesperrten Gebiete

Ungefähre Ausdehnung der evakuierten / gesperrten Gebiete (Detailliertere Karte)

Das vierte „Dreier“ und gleichzeitig das stärkste Erdbeben des Tages (M 3.2) um 18.14 Uhr als Teil der sich fortsetzenden Erdbebenaktivität, allerdings auf einem etwas niedrigerem Niveau als am Nachmittag. Zuletzt gab es zweimal 37 Erdbeben innerhalb einer Stunde. Auch die Stärke der Erdbeben ist, mit Ausnahme einzelner Ausreißer nach oben, insgesamt leicht rückläufig. Damit bleibt der Vulkan bei seiner leicht schwankenden Aktivität.

Auswertungen der aktuellen GPS Daten ergeben, dass sich im Untergrund etwa 80 bis 90 Millionen Kubikmeter (0.08 bis 0.09 km³) Magma befinden (und bewegen), so aktuelle Schätzungen von Experten. Dies ist deutlich mehr, als beim Ausbruch des Eyjafjallajökull 2010 ausgestoßen wurde (geschätzt 10 bis 20 Mio m³). Somit besteht das Potential, dass die möglicherweise bevorstehende Eruption größer wird, als im Jahr 2010. Was aber nicht heißt, dass sie auf jeden Fall größer wird. Bei einer Vulkaneruption wird immer nur ein Teil der vorhandenen Magmamenge ausgestoßen.
Für genaue Daten zur Größe und Beschaffenheit der Magmakammer (und damit für präzisere Aussagen über einen möglichen Ausbruch) werden in den kommenden Tagen weitere Daten erhoben uns ausgewertet.

Dass sich das vorhandene Magma im Untergrund nach Nordosten bewegt, wird schon durch die Lage der Epizentren klar. Neue Messungen ergeben eine Geschwindigkeit von etwa einem Kilometer pro Tag.

Die aktuelle Krise zeigt das, was in Island über Jahrzehnte und Jahrhunderte einstudiert wurde: Der richtige Umgang mit Naturkatastrophen. Rechtzeitige Warnungen und frühzeitige Evakuierungen, eine detailreiche Informierung und Aufklärung der Bevölkerung, sowie öffentlicher Zugang zu allen Daten – Ein kleines Land, dass in der Vergangenheit mit Vulkanausbrüchen leben musste und nun als Paradebeispiel für das richtige Handeln vorangeht.

Ebene innerhalb der Evakuierungszone am Nordrand des Vatnajökull (Foto: Fabian Rössler / blue-pics.net)

Ebene innerhalb der Evakuierungszone am Nordrand des Vatnajökull (Foto: Fabian Rössler / blue-pics.net)


Update 21. August, 09.36 Uhr
Am Morgen setzt sich die Erdbebenaktivität auf hohem Niveau fort. Zuletzt gab es zwischen 7 Uhr und 9 Uhr MESZ mindestens 102 Erdbeben, davon aber nur 5 über Magnitude 2.
In der vergangenen Nacht gab es zwei Erdbeben mit Magnitude 3.0. Insgesamt gab es somit bereits seit Beginn der Aktivität 12 Erdbeben mit Magnitude 3 oder höher. Mit über 1800 Erdbeben in den letzten 48 Stunden ist ein klarer Anstieg der Erdbebenzahl erkennbar.

Ein neuer Überflug über den Gletscher hat am Abend keine Hinweise geliefert, dass es irgendwelche oberflächlichen Aktivitäten gibt. Dennoch muss der Tourismussektor in Island weiter Verluste einstecken. Vor allem nahe der Sperrzone haben viele Hotels bereits die Touristensaison abgehakt, einen Monat früher als normal, da viele Touristen ihren Urlaub storniert haben.
Für das europäische Festland können Vulkanologen jedoch leichte Entwarnung geben. Die Asche, die bei einem möglichen Ausbruch des Bardarbunga ausgestoßen werden könnte, habe eher die Zusammensetzung der Grimsvötn-Asche und sei damit gröber als die des Eyjafjallajökull. Somit ist eine Ausbreitung der Aschewolke Richtung Festland sehr unwahrscheinlich. Eher gehe die Asche in der näheren Umgebung des Vulkans nieder.

Wie und wo genau die Eruption ablaufen wird, ist im Moment eines der am meisten diskutierten Themen. Als am Wahrscheinlichsten gilt eine Spalteneruption zwischen den Vulkanzentren von Bardarbunga und Kverkfjöll, also dort wo die meisten Epizentren der Schwarmbeben lokalisiert wurden. Ebenso sei eine Eruption am Rand der Caldera, wo sich der zweite Schwerpunkt der Erdbebenaktivität befindet, möglich. In diesem Fall sei die Gefahr von Gletscherläufen sehr groß, da der Gletscher an dieser Stelle bis zu 800 Meter dick ist. Eine ernste Gefahr für die isländische Bevölkerung bestehe dabei aber nicht. Die evakuierten Risikogebiete sind unbewohnt und alle Touristen wurden evakuiert.
Aber auch die Möglichkeit, dass die Aktivität urplötzlich aufhört, ohne dass es zur Eruption kommt, könne nicht ausgeschlossen werden. Auch mit modernsten wissenschaftlichen Methoden sind und bleiben Vulkane im Großen und Ganzen unberechenbar.


Update 13.47 Uhr
Die kurzen Phasen mit weniger hoher Erdbebenaktivität scheinen erstmal vorbei zu sein. Seit heute morgen gibt es durchgehend etwa 50 kleine Erdbeben pro Stunde, wobei die Anzahl der Erdbeben über Magnitude 2 relativ niedrig bleibt. Zuletzt (12 bis 13 Uhr MESZ) wurde mit 5 solcher Beben der höchste Wert seit 10 Stunden erreicht.
Während sich die Epizentren weiterhin auf eine etwa 20 Kilometer lange Linie zwischen Bardarbunga und Kverkfjöll am Nordrand des Vatnajökull, sowie neuerdings wieder verstärkt am Nordrand der Bardarbunga-Caldera konzentrieren, werden die Hypozentren flacher. Lag der Schwerpunkt der Erdbeben vor 2 Tagen noch bei etwa 10 Kilometern Tiefe, finden heute immer mehr Erdbeben in flachen Tiefen von teils unter 5 Kilometern statt. (Erdbeben direkt an der Oberfläche sind die Folge der Bodenhebungen und nicht direkt auf die Bewegung des Magmas zurückzuführen.) Tiefen von mehr als 10 Kilometern sind nur noch eine Ausnahme.
An der Oberfläche, bzw. am Gletscher gibt es keine Zeichen von Aktivität. Auch deshalb wurden für einzelne Landwirte, die die gesperrten Flächen des Vatnajökull-Nationalparks nutzen, Sondergenehmigungen erteilt, das Areal betreten zu dürfen.

Unterdessen trafen sich Katastrophenschutz, Behörden- und Regierungsvertreter in der Stadt Husavik im Norden von Island, um Pläne für die Stadt im Falle einer Eruption zu erörtern. Husavik liegt im Mündungsgebiet des Flusses, der den nördlichen Vatnajökull entwässert, und bei Gletscherläufen Hochwasser führen wird.
Experten gehen jedoch von keiner konkreten Gefahr für die Stadt aus.


Update 14.46 Uhr
Zwei der stärkeren Erdbeben der letzten Stunden wurden vom IMO nach oben gestuft. Magnitude 3.7 und 4.0 wird nun angegeben. Die Epizentren lagen im Erdbebengebiet an der Bardarbunga Caldera.


Update 16.21 Uhr
Ein weiteres Erdbeben mit Magnitude 3.4 als Teil der andauernd hohen Erdbebenaktivität.

Vatnajökull-Nationalpark (Gletscher im Hintergrund)

Vatnajökull-Nationalpark, Gletscher im Hintergrund (Foto: Fabian Rössler / blue-pics.net)

Bei Icelandair verursacht die Aktivität neben Verlusten an den Börsen auch Ärger in der Führungsetage. Ein Sprecher der Luftfahrtgesellschaft kritisierte scharf die Berichterstattung über Bardarbunga in den ausländischen Medien. Viele Formulierungen, die dort verwendet werden, seien maßlos übertrieben und dienen nur den Zweck einen ähnlichen Hype wie vor vier Jahren zu verursachen. Die Gefahr werde als viel zu groß dargestellt. Die Folge: Ausländische Reisende haben viele Flüge mit Icelandair storniert, finanzielle Verluste drohen.
Es wurde nochmal deutlich gemacht, dass es zur Zeit keine Einschränkungen im Flugverkehr gibt. Für den Fall einer Eruption wurde Vorkehrungen getroffen, aber bis dahin laufe alles nach Plan und Flüggäste müssten sich keine Sorgen mache.


Update 20.31 Uhr

Die Zahl der Erdbeben in den letzten 48 Stunden hat fast 2000 erreicht. Somit ist ein konstant leichter Anstieg der Erdbebenzahl zu verzeichnen.
Seit dem Mittag gab es keine Veränderungen. „Große“ Erdbeben über Magnitude 3 blieben aus. Auch bei den Epizentren gab es keine Verlagerungen.
Experten gehen davon aus, dass entlang dieses knapp 25 Kilometer langen Gebietes zwischen Bardarbunga und Kverkfjöll zu einem Eindringen von Magma in die obere Erdkruste kommt (Dike), wodurch die Erdbeben ausgelöst werden. Ob dieser Dike, welcher sich weiter nach Nordosten ausdehnt, die Oberfläche erreicht, bleibt offen. In vielen Fällen bleibt aufsteigendes Magma kurz vor der Oberfläche stecken und erkaltet, ohne dass es zum Ausbruch kommt.
Die Erdbeben innerhalb der Caldera gehen hingegen auf ein Leeren der Magmakammer unterhalb zurück. Dadurch senkt sich das Gestein oberhalb der Kammer ab, es kommt zu Erdbeben.

Bemerkenswert ist zudem die leichte Aktivität (einzelne kleine Erdbeben) unterhalb des Vulkans Tungnafelsjökull nordwestlich vom Vatnajökull. Wie diese Erdbeben mit dem Bardarbunga zusammenhängen, ist nicht klar.


Update 22. August, 07.18 Uhr
In der vergangenen Nacht wurde das bisher stärkste Erdbeben des andauernden Schwarmes registriert. Magnitude 4.7 wird für das Ereignis um 01.50 Uhr MESZ angegeben. Bereis zuvor (rund um Mitternacht) war ein Anstieg der Aktivität zu beobachten, mit mehreren Erdbeben bis Magnitude 3.

Das „Hauptbeben“ traf die Caldera des Bardarbunga, wo sich der Boden über der sich leerenden Magmakammer absenkt. Diese Erdbeben deuten NICHT darauf hin, dass Magma sich nach oben bewegt. In den kommenden Tagen muss an dieser Stelle mit weiteren größeren Erdbeben gerechnet werden. Reykjavik befindet sich 220 Kilometer entfernt, somit muss vorerst nicht damit gerechnet werden, dass die Erschütterungen auch in der Hauptstadt spürbar sind. Touristen, die näher an den Vulkan wollen, sollten sich aber auf mögliche Erdbeben einstellen. Gefahr droht dabei aber auf jeden Fall nicht.

In den Stunden zuvor erfassten die „größeren“ Erdbeben auch die vermutete Spalte zwischen Bardarbunga und Kverkfjöll. Das stärkste Erdbeben dort hatte Magnitude 3.0. Insgesamt hat sich, bis auf einen weiteren Anstieg der Erdbebenzahlen, nichts rund um den Vulkan verändert.

Eine Meldung, die wir in der vergangenen Nacht von einem heimgekehrten Islandreisenden bekommen haben (siehe Kommentare unterhalb), wollen wir an dieser Stelle nochmal herausheben, da damit gut die aktuelle Situation auf Island beschrieben wird:

Wir sind seit zwei Tagen zurück aus Island und haben einen atemberaubenden Urlaub hinter uns. Ohne unsere Busfahrer, die uns über die Erdbeben informiert haben, hätten wir gar nicht mitbekommen, dass eventuell ein Vulkanausbruch bevorsteht. In Island war die große Schlagzeile: “Hat Ebola Berlin erreicht?” Die ausländischen Medien machen einen riesen Hype um einen möglichen Ausbruch – die Isländer sind vollkommen entspannt. Wie sagte ein Busfahrer so schön: Wir können nur abwarten. Alle nötigen Gebiete wurden weiträumig evakuiert und alles weitere wird den Entwicklungen angepasst. Dass der Flugverkehr eingestellt wird ist sehr unwahrscheinlich – selbst bei einem Ausbruch. Die Beeinträchtigungen im Flugverkehr vor vier Jahren beim Ausbruch des Eyjafjallajökull sind nur auf eine ungünstige Luftströmung zurückzuführen – damals hatte sich der Jetstream umgekehrt. Dass das ausgerechnet passierte, als die Aschewolke über dem Vulkan hing, war ein riesen Zufall. Nicht unmöglich, aber sehr unwahrscheinlich, dass das bei einem eventuellen Ausbruch wieder passiert. Und nachdem der Bardabunga nur eventuell ausbrechen könnte, kann er eventuell auch nicht ausbrechen ;-)
Wer nach Island möchte sollte sich von so einer Nachricht nicht abschrecken lassen – das Land ist gigantisch und wer sich drauf einlässt wird mit dem Islandfieber infiziert. Ich wünsche allen eine wunderschöne und unvergessliche Reise! Ich wär gern dabei ;-)


Update 09.44 Uhr
Das Magma, das sich innerhalb des Ganges bewegt, scheint langsamer zu werden, wie Vulkanologen herausgefunden haben. Die aktuelle Situation sei sehr ähnlich denen vor den Eruptionen des Vulkans Krafla in den 70er und 80er Jahren. (sog. „Krafla-Feuer“) Nur in diesem Fall ist die mögliche Eruptionsspalte deutlich länger.

Dass es zu einer Eruption wie damals kommt, ist aber dennoch fragwürdig. Während der Krafla Aktivitätsphase endete nicht jede Intrusion mit einem Ausbruch, in den meisten Fällen geschah nichts.

Wenn sich das Magma weiter verlangsamt und schließlich stecken bleibt, gilt es als wahrscheinlich, dass es innerhalb weniger Tage erkaltet, je nachdem wie breit der Gang ist. In diesem Fall wäre eine unmittelbar bevorstehende Eruption eher unwahrscheinlich.

Jüngste Eruptionsstelle, entstanden beim Krafla-Feuer (Foto: Fabian Rössler / blue-pics.net)

Jüngste Eruptionsstelle, entstanden beim Krafla-Feuer (Foto: Fabian Rössler / blue-pics.net)

Während des (optisch sehr spektakulären) Krafla-Feuers kam es über Jahre hinweg innerhalb der Krafla-Caldera zu Grabenbildungen, Spalteneruptionen mit Lavafontänen und starken Bodendeformationen – Plattentektonik im Schnelldurchlauf. Es bildeten sich lange Lavaströme, aus deren erkalteten Überresten auch heute noch Gase austreten. Seit 1984 gab es keine weitere Eruption.


Update 14.43 Uhr
Am Vormittag war die Erdbebenaktivität erneut leicht Rückläufig. Dennoch gab es in der Caldera zwei Erdbeben mit Magnitude 3.2 und 3.5. Die Erdbebenzahl pro Stunde lag bei etwa 30 bis 40, wobei die meisten Erdbeben nun innerhalb der Caldera stattfinden. Die Aktivität durch Magmabewegungen zwischen Bardarbunga und Kverkfjöll ist stark zurückgegangen. Der Bereich, in dem die Epizentren liegen, ist mit etwa 10 Kilometern Länge deutlich kleine geworden. Dies deutet darauf hin, dass das Magma langsam zum Stillstand kommt. (Natürlich kann sich die Situation jeden Moment wieder ändern.)

Man rechnet damit, dass die Erdbebenaktivität in der Caldera in den kommenden Stunden und Tagen weiter ansteigt. Weitere Erdbeben über Magnitude 4 sind wahrscheinlich.
Behördenvertreter haben sich am Morgen mit Einwohnern von Orten, in denen die Erdbeben spürbar waren, getroffen, um ihnen die aktuelle Lage zu erklären. Dabei wurde auch betont, dass keine Gefahr besteht. Dennoch sei es ratsam Vorkehrungen zu treffen (Siehe: Richtiges Verhalten bei starken Erdbeben), um im unerwarteten Ausnahmefall auf der sicheren Seite zu sein.

Ob es zu einer Eruption kommt oder nicht, ist die Frage, die Vulkanologen diskutieren. Eine Antwort darauf gibt es nicht. Die Chancen stünden bei 50:50. Sollte es eine Eruption mit Aschewolke, wie beim Eyjafjallajökull vor 4 Jahren geben, fürchten viele Bauern um ihre Existenz. Ascheregen ist eine große Gefahr für Pflanzen und Nutztiere. Einige von ihnen haben bereits bei der Regierung wegen möglicher Entschädigungszahlungen angefragt.

Eyjafjallajökull - Die Angst vor einer ähnlichen Situation wie 2010 lässt Urlauber um ihre Reise fürchten. Zurecht? (Foto: Lukas Gawenda)

Eyjafjallajökull – Die Angst vor einer ähnlichen Situation wie 2010 lässt Urlauber um ihre Reise fürchten. Zurecht? (Foto: Lukas Gawenda)

Für Touristen stellt sich die Frage, ob die aktuelle Situation Grund genug ist, einen geplanten Island-Urlaub zu stornieren, oder das Risiko eines längeren Aufenthalts eingehen um ein einmaliges Naturschauspiel im besten Fall mit eigenen Augen sehen zu können.
Dies muss jeder für sich selbst entscheiden. Gefahr für Leib und Leben besteht auf jeden Fall nicht, wenn man den Anweisungen des Katastrophenschutzes folgt, Sperrzonen meidet und auch sonst den gesunden Menschenverstand richtig einsetzt.

Im Kommentarbereich unterhalb dieses Textes gibt es Diskussionen dazu. Wer Fragen und Empfehlungen hat, oder seine Meinung dazu äußern möchte, dem steht die Möglichkeit zur Beteiligung offen. Wir würden uns darüber freuen, wenn jemand seine Erfahrungen von früheren Eruptionen (zum Beispiel beim Eyjafjallajökull 2010) teilen könnte.


Update 18.45 Uhr

Daten vom IMO sind noch nicht vorhanden. Aber nach Daten des USGS kam es um 17.41 Uhr MESZ zu einem weiterem großen Erdbeben mit Magnitude 4.3. Das Epizentrum lag wie bei früheren großen Beben auch in der Bardarbunga Caldera.


Update 19.31 Uhr
Neue Auswertungen der GPS Daten ergeben, dass der Vulkan, wenn auch noch ohne eruptive Tätigkeit, schon jetzt einen „großen“ Einfluss auf Island hat. Entlang des Grabens, der dich durch Magmaintrusion zur Zeit bildet, hat sich der Boden bereits um 14 cm verschoben – in weniger als einer Woche. Normalerweise driften die Eurasische und die Nordamerikanische Platte in Island mit durchschnittlich 2 Zentimeter pro Jahr auseinander. Ähnlich wie beim Krafla-Feuer: Plattentektonik im Schnelldurchgang.
Im Vergleich zum Vormittag ist die Erdbebenaktiviät an der potentiellen Eruptionsspalte wieder deutlich angestiegen. Allerdings ohne große Erdbeben. Das einzig große, welches noch immer nicht von IMO bestätigt wurde, traf die Calderaregion – Ein weiterer Grund die Erdbebenwarnung ernst zu nehmen.

Unabhängig von den aktuell unsignifikanten Veränderungen am Vulkan, schreiten die Vorbereitungen auf eine Eruption weiter voran. Für die Region nördlich vom Vatnajökull, die bei einer möglichen Eruption mit Gletscherläufen wahrscheinlich überflutet wird, wurden für die wenigen Bewohner Radiofrequenzen eingerichtet, über die aktuelle Informationen und Warnungen mitgeteilt werden sollen. Allgemein werden die Bemühungen, die Bevölkerung detailliert aufzuklären, intensiviert.


Update 23. August, 09.54 Uhr
Innerhalb der Bardarbunga Caldera setzt sich die Aktivität fort. In der Nacht, bzw am Morgen gab es Erdbeben der Stärke 3.2 und zweimal 3.6, sowie mehrere im Bereich von Magnitude 2.5. Insgesamt ist die Aktivität jedoch deutlich zurückgegangen, im Vergleich zum gestrigen Tag. Zwischen 2 Uhr und 8.30 Uhr MESZ gab es „nur“ 250 Erdbeben, statt 400 im gleichen Zeitraum am Freitag.
Die Lage der Epizentren östlich vom Bardarbunga tendiert nun wieder gen Nordosten. Dabei schreitet auch die Deformation entlang dieses Grabens weiter voran. Bis zu 20 Zentimeter sind beide Seiten der Störung bereits vertikal verschoben. (Zum Vergleich: Am Vortag wurden 14 Zentimeter gemessen. Siehe vorheriges Update) Somit ist weiter eine starke Bewegung im System. Eine Bewegung, die möglicherweise von einer größeren Menge an Magma verursacht wird, als bisher angenommen. Ein neues Modell der Vulkanologen ergibt eine mehr als doppelt so große Magmakammer, als vorherige Berechnungen. Es soll sich um bis zu 200 Millionen Kubikmeter (0.2 km³) handeln, da neue Schmelze hinzugekommen ist. Zum Vergleich: Die bekannte Eruption des Mt. St. Helens in den USA im Jahr 1980 stieß etwa 1 Kubikkilometer Material aus.

Trotz des immensen Drucks durch das Magma scheint der Weg nach oben weiter blockiert. Die Tiefen der Erdbeben am Graben bleiben konstant. Eine mögliche Eruption kann damit noch auf sich warten lassen. Ob das Magma sogar gänzlich in der Kruste stecken bleibt, kann weiterhin nicht beantwortet werden. Angesichts der Tatsache, dass „von unten“ neues Material nachströmt, scheint dies doch eher unwahrscheinlich.


 

Update 14.00 Uhr
Ein signifikanter Anstieg der Erdbebenaktivität entlang der mutmaßlichen Eruptionsspalte hat am Mittag eingesetzt. Innerhalb von 60 Minuten gab es fast 40 Erdbeben, fast alle um Magnitude 2 herum. (Heißt: Kleinere Erdbeben wurden wegen der hohen Erdbebenfrequenz (noch) nicht ermittelt) Erdbeben innerhalb der Caldera nicht mitgezählt. Damit endet die ruhige Phase, die in der vergangenen Nacht einsetzte. Große Erdbeben gab es bisher nicht.
Die vielen Erdbeben innerhalb kurzer Zeit ähneln fast einem vulkanischen Tremor – Ein Beleg für Magmabewegungen. Entsprechend gibt es Spekulationen, dass eine Eruption eingesetzt hat. IMO bestätigt, dass dies möglich ist. Bisher wurde noch keine Aktivität an der Oberfläche beobachtet. Bis dies geschieht oder es andere Beweise gibt, bleib ein möglicher Ausbruch aber nur Spekulation.


Update 14.07 Uhr
Neueste Erdbeben zeigen, dass der Dike, in dem sich das Magma bewegt, sich weiter nach Nordosten verlängert hat. Es wurden Beobachtungsflugzeuge in die Luft geschickt, um optische Beweise für einen einsetzenden Ausbruch zu finden. IMO überprüft zudem, ob die Alarmstufe für Flugzeuge erhöht werden soll, also ob ein Flugverbot verhängt werden soll.

Bereits am Vormittag wurde bekannt, dass in den Flüssen nördlich vom Vatnajökull erhöhte Mengen an Schwefel nachgewiesen wurden.


Update 14.19 Uhr
Die Erdbebenaktivität steigt minütlich an. Zwischen 13 und 14 Uhr gab es mehr als 50 Erdbeben. 8 davon nach 13.55 Uhr. Magnituden bis 3.2 werden gemessen.


Update 14.37 Uhr
Zwischen 14 Uhr und 14.20 Uhr wurden bisher 17 Erdbeben registriert, zwei davon mit Magnitude 2.7. Die neuesten Erdbeben finden zunehmend in flachen Tiefen (1 bis 4 Kilometer) statt.
Weiterhin gibt es kein Beleg für eine Eruption. Aufklärungsflugzeuge sind in der Luft. Die zweithöchste Warnstufe Orange bleibt vorerst aktiv.

Lage des Dikes (rot) und Schwerpunkt der aktuellen Erdbebenaktivität (gelb)

Lage des Dikes (rot) und Schwerpunkt der aktuellen Erdbebenaktivität (gelb)


Update 14.56 Uhr
Eine sehr vorläufige Entwarnung: Der Aufklärungsflug hat keine Belege für eine einsetzende Eruption gefunden. Alles sei ruhig: Aber: Nach Aussagen der Forscher könne es bei einer Eruption unter dem Gletschereis mehrere Stunden dauern, bis sich an der Oberfläche Veränderungen zeigen. Sollte es in den kommenden Stunden zu einem Gletscherlauf kommen, wäre dies wahrscheinlich ein Beleg für eine Eruption.
Ein Ausruf der höchsten Warnstufe wird weiter diskutiert. Sollte dies geschehen, werden in einem weiten Umkreis um den Bardarbunga alle Flüge gestrichen / umgeleitet. Ob der Flughafen Reykjavik auch betroffen sein wird, ist noch nicht klar.

Unterdessen geht die hohe Erdbebenaktivität weiter. Fast alle Beben, die fast im Minutentakt eintreten, haben Magnitude 2 oder mehr. Für IMO (Iceland Met Office) sei es inzwischen fast unmöglich, jedes einzelne Erdbeben zu erfassen.

Diese Live-Webcam zeigt die Region am Nordrand des Vatnajökull. Deutlich sichtbar steigt Dampf oder ähnliches auf.


Update 15.13 Uhr
Es macht den Eindruck, als ginge die Erdbebenaktivität wieder zurück (was zum Verhalten der vergangenen Tage passen würde). Nur 6 Erdbeben wurden zwischen 14.40 Uhr und 15 Uhr registriert. Möglich ist, dass weitere in den kommenden Minuten nachgetragen werden. (in den vergangenen Tagen gab es mehrfach aus technischen Gründen ein kurzzeitiges „Leck“ bei den Erdbebenlisten des IMO) Falls nicht, könnte der Vulkan wieder in seine ruhigere Phase verfallen und die letzten Stunden ein fürs erste einmaliges Intermezzo gewesen sein.


Update 15.33 Uhr

13 Erdbeben zwischen 15 Uhr und 15.20 Uhr mit niedrigerer Magnitude deuten weiterhin auf eine Abnahme der Aktivität hin. 35-40 Erdbeben pro Stunde ist in etwa der Durchschnittswert der vergangenen Tage. Von stark erhöhter seismischer Aktivität kann somit im Moment keine Rede mehr sein. Doch der Vulkan hat oft genug gezeigt, dass sich die Lage minütlich ändern kann.


Update 15.59 Uhr
Erneut 13 Erdbeben zwischen 15.20 Uhr und 15.40 Uhr. Mit M 2.4 und 2.5 waren diese ein wenig stärker als im Abschnitt zuvor.
Von offizieller Seite gibt es keine Neuigkeiten. Bardarbunga ist weiterhin auf dem zweithöchsten Warnlevel, es gibt keine Hinweise auf eine Eruption und der Flugverkehr ist (noch) nicht beeinträchtigt.


Update 16.13 Uhr
Warnstufe Rot wurde ausgerufen. Damit gilt ein Flugverbot für Bardarbunga und Umgebung!


Update 16.23 Uhr
Höchste Warnstufe rot bedeutet, dass der Luftraum rund um den Vulkan geschlossen wird, da es jederzeit zu einer Eruption mit Ascheemissionen kommen kann, bzw., dass diese Eruption bereits eingesetzt hat. Wie weit die Luftraumsperrung reicht, wurde noch nicht bekannt gegeben. Bisher muss aber nicht davon ausgegangen werden, dass Flüge von Europa nach Reykjavik beeinträchtigt sind.

Praktisch zeitgleich mit der neuen Beurteilung der Gefahrensituation ist die Erdbebenaktivität wieder stark angestiegen. Es gibt Ereignisse über Magnitude 2 fast im Minutentakt, innerhalb der Caldera wurde vor wenigen Minuten erneut Magnitude 4.5 erreicht.


Update 16.28 Uhr
Eine kleine Eruption (vermutlich lavafördernd) unterhalb des Gletschers wurde nun bestätigt. Das Eis ist an dieser Stelle bis zu 400 Meter dick. Gletscherläufe werden folgen.


Update 16.40 Uhr
Das Eruptionszentrum liegt nach Angaben von IMO unter dem Gletscher Dyngjujökull, dies ist ein nordöstlicher Ausläufer des Vatnajäkull, und somit genau auf der vermuteten Eruptionsspalte. Der Ort ist 250 km von Reykjavik entfernt. Ob sich der Ausbruch, der im Moment noch klein sein soll, weiter entlang der Spalte ausdehnt, und wir am Ende ein neues „Krafla-Feuer“ erleben dürfen, bleibt offen.

Eruption


Update 16.48 Uhr
Mehrere Gebiete im Norden von Island, die bisher außerhalb der Sperrzone lagen, werden nun evakuiert. Unter anderem der berühmte und bei Touristen sehr beliebte Wasserfall Dettifoss. Allgemein sind von der Evakuierung Gebiete an den Unterläufen der Flüsse betroffen. Es kann nun jederzeit zu gefährlichen Gletscherläufen und meterhohen Flutwellen kommen. Reisende sollten dies entsprechend einplanen und in den kommenden Tagen das Gebiet nördlich vom Vatnajökull meiden.

Dettifoss-Wasserfälle (Foto: Fabian Rössler / blue-pics.net)

Dettifoss-Wasserfälle (Foto: Fabian Rössler / blue-pics.net)


Update 17.06 Uhr
Siedlungen in der Nähe des Vulkans wurden bisher nicht evakuiert. Anwohner sollen aber die Nachrichten regelmäßig verfolgen und eine ständige Erreichbarkeit (via Mobiltelefon) gewährleisten. Für Touristen in diesen Orten gilt entsprechend.
Gletscherläufe oder andere sichtbare Zeichen der Eruption gibt es noch immer nicht.


Update 17.23 Uhr
Eine größere Eruption in den kommenden Stunden und Tagen gilt als möglich. Die bisherigen Entwicklungen der Aktivität seien sehr ähnlich wie beim Krafla-Feuer gewesen. Entsprechend könne auch die Eruption ähnlich verlaufen. Die kilometerlangen Spalten, die sich gebildet haben deuten darauf hin, dass auch dort Lava austreten kann.

Eine der größten Spalteneruptionen in der Geschichte von Island gab es Ende des 18. Jahrhunderts. Damals brach die Laki-Spalte, zum Vulkansystem Grimsvötn gehörend, auf 30 Kilometern länge auf. Die Lavamassen bedeckten eine gewaltige Fläche. Freigesetzte Schwefel-Gase zogen über den Atlantik und verursachten einen giftigen Nebel, der sich monatelang über Europa hielt und zehntausenden Mensche das Leben kostete.

Dass die Bardarbunga-Eruption einen ähnlich dramatischen Verlauf nimmt, ist aber nicht zu erwarten.


Update 17.38 Uhr
Noch ein wichtiger Hinweis für Touristen:
Der internationale Flugverkehr von und nach Reykjavik (Keflavik) ist zur Zeit nicht von der Luftraumsperrung betroffen.
Es wurde davor gewarnt, unnötige Risiken einzugehen, indem man sich in die Nähe des Vulkans begibt. Zur Zeit gebe es sowieso noch nichts zu sehen, so die Behörden.


Update 17.43 Uhr
„Es gibt nichts zusehen“, zumindest keine Lava. Auf der Webcam jedoch erkennt man weiter zunehmende Emissionen von Dampf und Gasen. Anschaubar, ganz ohne das Risiko einzugehen, in einem Gletscherlauf zu ertrinken 😉


Update 17.49 Uhr

Ein Teil des geschmolzenen Gletschereises hat den Weg in die Flüsse geschafft. Der Wasserpegel sei deutlich angestiegen. Ein weiterer Anstieg wird erwartet. Alle Gebiete entlang der Flüsse, sowie Straßen, wurden bereits vor einigen Tagen evakuiert, somit besteht keine Gefahr für Menschen. (Sofern sich niemand unerlaubterweise in diesem Gebiet aufhält.)


Update 18.02 Uhr

Danke an Thomas für diese Meldung (Kommentar)
Gerade habe ich eine SMS aus einer Wandergruppe erhalten, die sich im Moment in Laugafell befindet (ca. 40 km nordwestlich vom Vulkan). Es wird von einer “Gletscherflut” berichtet, also offenbar einem Gletscherlauf, der nun eingesetzt hat.“

Als Anmerkung: Laugafell befindet sich außerhalb der gesperrten Zone.


Update 19.30 Uhr

Die Flugverbotszone umfasst weite Teile des südöstlichen Islands. Der Luftraum über dem Vatnajökull ist komplett gesperrt. Ebenso ein großes Gebiet vor der Südküste des Landes. (Die Region, in welche eine mögliche Aschewolke aufgrund der zur Zeit vorherrschenden Windbedingungen ziehen wird) Reykjavik ist nicht betroffen. (Karte der Flugverbotszone)

Seit Beginn der subglazilen Eruption blieb die Erdbebenaktivität auf konstant hohem Niveau, wie man es aus den aktiven Stunden der vergangenen Tage kennt. Richtig „große“ Erdbeben über Magnitude 4 blieben aus, allerdings gab es mehrere Erdbeben nahe M 3.


Update 19.51 Uhr

Von de Evakuierungen der Touristenregionen im Norden Islands waren etwa 400 Menschen betroffen. Die Durchführung verlief ohne Komplikationen – Der Lohn der Vorarbeit, die in den vergangenen Tagen geleistet wurde. Alle Evakuierungspläne waren bekannt und Einsatzkräfte waren ideal vorbereitet.

Ein Beispiel aus der Vergangenheit zeigt, dass eine Eruption unter dem Eis auch tagelang verborgen bleiben kann, wenn es keine modernen Messinstrumente gäbe. Im Jahr 1996 brach der Vulkan Grimsvötn aus. Zwei Tage nach Einsetzen der Eruption war die Eisdecke des Vatnajökull so weit aufgeschmolzen, dass die Eruption aus der Luft beobachtet werden konnte.


Update 19.57 Uhr

Danke an Mafl (Kommentar): Bei dem vermeintlichen Dampf, der auf den Bildern der Webcam zu erkennen ist, handelt es sich um einen Sand-/Staubsturm.


Update 20.06 Uhr

Diese Kommentar von Sara beschreibt anschaulich, wie die Evakuierung verlief

Ich war bei der Eruption genau am Dettifoss und bin sehr beeindruckt, wie schnell und ruhig die Straßen zum Dettifoss und die Brücke der Ringstraße über dem Jökulsa a Fjöllum gesperrt wurden (abgesehen davon gab es die letzten Tage ja schon verschärfte Sicherheitsvorkehrungen im Gebiet zwischen Dettifoss und Asbyrgi). Zudem die schon erwähnten SMS auf isländisch und englisch, Infos durch die Ranger und auch ein Anruf meiner Unterkunft.
Übrigens hat ja die Wahrsagerin von den Westmänner-Inseln, die wohl – so wurde mir gesagt – auch den Ausbruch des Eyjafjallajökull vorhergesagt hatte, eine Eruption für heute angekündigt 😉 

Anmerkung: Einige Leser möchten wissen, ob es auch eine Aschewolke geben wird, die den Flugverkehr großräumig gefährdet. Wenn die genannte Wahrsagerin dies ließt: Bitte schreiben Sie uns ihre Prognose als Kommentar und leisten Sie Entscheidungshilfe. 😀
(Juskis Erdbebennews übernimmt keine Haftung für irgendwelche Wahrsagungen und die daraus resultierenden Schäden 😉 )

Im Ernst: Die Windrichtung wäre im Moment perfekt für einen Einfluss auf Europa, wenn es zu einer Aschewolke wie im Jahr 2010 kommt. Vieles spricht aber gegen eine Aschewolke (u.a. die aktuelle Art der Eruption, sowie die vermutete Lavazusammensetzung). Genaues lässt sich aber aus wissenschaftlicher Sicht nicht sagen.


Update 20.21 Uhr

Eine neue Karte der evakuierten Gebiete wurde veröffentlicht. Neu hinzugekommen ist das Flusstal im Norden, mit der Schlucht und Dettifoss.


Update 20.31 Uhr

Aufgrund der Distanz zwischen Caldera und Eruptionsstelle gibt es einige Zweifel daran, dass man Bardarbunga diese Eruption zuschreiben sollte. Alternativ wird Dyngjujökull, der Name des Gletschers, als Vulkanname gehandelt. Auch für diesen Fall hat mbl.is ein Video zur Isländisch-Nachhilfe erstellt, damit Nachrichtensprecher in aller Welt bei der Aussprache weniger Probleme haben.

Ob eine Bardarbunga-Eruption oder eine Dyngjujökull-Eruption: Einen Einfluss auf die Eruption selbst hat der Name des Vulkans nicht


Update 20.42 Uhr

Auch wenn Dyngjujökull der richtige Vulkanname sein wird, die meisten Erdbeben gibt es weiterhin am Bardarbunga. Vor wenigen Minuten erneut Magnitude 4.0, nach Angaben von IMO.


Update 21.48 Uhr

Entgegen den Offiziellen Angaben der Meteorologiebehörde äußern sich nun einige Vulkanologen skeptisch ob dem Vorhandensein einer Eruption. Es gebe nicht genügend Beweise um sicher zu sein, dass der Vulkan tatsächlich ausgebrochen ist.

Tom meldet uns gerade per Kommentar:

Leider wurde unser Flug von Berlin nach Keflavik gerade gestrichen. Wir hoffen nun das der Flug morgen stattfindet!“

Danke dafür und viel Glück an alle Betroffenen für einen baldigen Ersatzflug.


Update 24. August, 06.55 Uhr

Da es weiterhin keine Anzeichen für eine andauernde Eruption gibt (keine sichtbare Eruption, keine bestätigten Gletscherläufe), hagelt es von außen Kritik am Katastrophenschutz. Man habe vorschnell gehandelt und unnötig Evakuierungen durchgeführt und Warnungen ausgesprochen. Vor allem weil sich die Meldung der Eruption schnell verbreitet hat und in vielen ausländischen Medien Vergleiche mit Eyjafjallajökull gezogen werden. Dies würde dem Tourismus schaden.
Der Katastrophenschutz rechtfertigt die Handlungen. Es könne jederzeit eine gefährliche Situation eintreten und es sei wichtiger, zu verhindern, dass Menschen zu Schaden kommen. Die höchste Warnstufe Rot bleibt bestehen.

Unabhängig von einem möglichen Ausbruch hat es kurz nach Mitternacht das bisher stärkste Erdbeben seit Beginn der Aktivitätsphase gegeben. IMO gibt Magnitude 5.3 an. Das Erdbeben hatte seinen Ursprung am Rand der Bardarbunga-Caldera, in der sich der Boden aufgrund der Druckänderungen (abfließendes Magma) senkt. Bereits vor einigen Tagen wurde gewarnt, dass ein solches Erdbeben wahrscheinlich sei.
Auf die mögliche Eruptionsstelle hatte das Beben keinen Einfluss. Schäden gab es nicht.

Auch die Erdbebenaktivität am Dyngjujökull dauert weiterhin an. Große Erdbeben gab es dort aber nicht. Der Dike soll sich bereits auf eine Länge von 40 Kilometern ausgedehnt haben.


Update 07.51 Uhr
Es bebt weiter. Das nächste Erdbeben mit etwa Magnitude 5 (noch keine genauen Daten von IMO) traf die Caldera Region um 07.34 Uhr MESZ. Das nach dem nächtlichen M 5.3 zweitstärkste Erdbeben der aktuellen Aktivitätsphase (und damit das zweitstärkste Erdbeben seit 1996)

Außerdem ist die Erdbebenaktivität am Dyngsjujökull wieder stark angestiegen. Zwischen 7 Uhr und 7.40Uhr MESZ wurden 46 Erdbeben registriert.


Update 08.06 Uhr
IMO bestätigt Magnitude 5.1.


Update 09.23 Uhr
67 Erdbeben in 60 Minuten – Eine Quote wie zu beginn der mutmaßlichen Eruption gestern. Dabei trat zwischen 8 und 9 Uhr MESZ der überwiegende Teil der Erdbeben unter dem Dyngjujökull auf. Nach dem starken Erdbeben in der Caldera kam es zu keinen weiteren größeren Ereignissen. Die stärker werdenden Beben deuten auf einen weiter abnehmenden Druck in der Magmakammer unterhalb hin. Dies bedeutet:
1. Es muss weiterhin mit großen Erdbeben am Bardarbunga gerechnet werden. Wie stark diese werden, ist unklar, aber Magnitude 6, was bis nach Reykjavik spürbar wäre, scheint zumindest nicht ausgeschlossen. (Nach unserer Erfahrung wird dies nicht zu Schäden führen, aber Touristen sollten sich zumindest mental darauf vorbereiten. Oft gehen Verletzungen bei moderaten Erdbeben auf „Blödheit“ der betreffenden Personen zurück, wenn diese vor Schreck aus dem Fenster springen oder auf Treppen zu Fall kommen. Hinweise wie man es richtig macht.)
2. Magma strömt weiterhin in die Spalte unterm Dyngjujökull, womit sich dort neuer Druck aufbaut (–> Kleine Erdbeben) und zumindest die Möglichkeit einer größeren Eruption gegeben ist.

Aus diesem Grund bleiben alle Evakuierungen und Warnungen bestehen, trotz Kritik.

Update 09.41 Uhr
In den letzten  Minuten ist die Erdbebenaktivität nochmals deutlich in die Höhe geschnellt. (bis zu 20 Erdbeben in 10 Minuten) Betroffen ist Dyngjujökull. Die neuen Beben sind recht kräftig (fast alle um M 2.5) und deutlich flacher als zuvor. Magma bewegt sich… zur Oberfläche?

Update 11.00 Uhr
Die Erdbebenaktivität nimmt immer weiter zu. Inzwischen Bebt es im minutentakt, teilweise auch häufiger. Auch die Stärke der Erdbeben nimmt zu. Ein Erdbeben der Stärke 3,7 wurde registriert.

Update 14:05 Uhr

Laut IMO wurde entschieden das die Alarmstufe für Bardarbunga wieder auf Orange runter gesetzt wurde.

Update 14:37Uhr

Die Erdbeben an der vermuteten Eruptionsspalte erreichen mittlerweile eine Stärke von bis zu 4.3. Die Tiefe von ca 12km könnte ein Anzeichen sein das weiteres Magma nachströmt und somit den Druck auf die Erdkruste weiter erhöht.

Update 16.59 Uhr
Behörden geben zu, dass es sich bei dem Ereignis gestern wahrscheinlich nicht um eine Eruption handelte, auch wenn seismische Signale und andere Messungen dies andeuteten. Deshalb wurde am Vormittag die Alarmstufe wieder herabgesetzt. Sie verweilt auf der zweithöchsten Stufe, da immer mehr Magma in die Spalte strömt. Die Erdbeben, die sich weiterhin auf sehr hohem Magnitudenniveau und in sehr hoher Anzahl ereigneten, sind eindeutig. Es wird mittlerweile ein Volumen von 270 Millionen Kubikmeter (0,27 km³ geschätzt), Tendenz steigend, da sich auch der Spalt immer mehr erweitert. Wie viel (oder ob überhaupt etwas) davon in einer kommenden Eruption ausgestoßen wird, kann nicht gesagt werden.

Auch ohne Eruption ist der Schaden für die isländische Wirtschaft, allem voran der Tourismus, zum jetzigen Zeitpunkt bereits immens. Stornierungen, Stornierungen und Stornierungen, meist aufgrund der übertrieben panischen Berichterstattung in ausländischen Medien, sowie die Vergleiche mit Eyjafjallajökull und der Angst vor einer Aschewolke.

Dazu die Aussagen unserer Leser Henrik und Susi (Kommentare unterhalb, danke für die vielen Meldungen aus erster Hand!)

„Mir fällt seit letzter Woche lediglich auf, dass es hauptsächlich nicht-islaendische Presseorgane und Blogger etc sind, die mit scheinbaren Sensationsmeldungen und Panikmache (funktioniert bei Deutschen stets zuverlässig) aufwarten. Währenddessen bleiben hier alle in meinem Umkreis gewohnt gelassen. Was wir allerdings merken, ist dass der Tourismus massiv leidet. Ich lebe und arbeite in Húsavík fürs Whalewatching, und die Auswirkungen sind erschreckend. Stornierungen und verfrühte Abflüge, gerade von Deutschen. Dabei könnte man hier gerade besonders gut lernen, wie man mit speziellen Situationen umgeht: Sammel SMS, informative Emails Updates, sogar Facebookgruppen wurden von den Organen eingerichtet. Es bringt gar nichts, darüber zu mutmassen ob der Vulkan nun ausbricht, oder nicht, letztendlich werden wir es erfahren, aber wir werden es nicht beeinflussen können. Ich rufe im Namen der Vernunft zu mehr Gelassenheit auf!“

„Das stimmt. Unsere Tochter ist derzeit in Island. Neben den erwähnten SMS gibt es auch Informationen durch die Polizei. Man wird direkt angesprochen und darauf hingewiesen, dass man im Fall der Fälle innerhalb von einigen Stunden die Herberge verlassen muss. Die Handynummern der Verantwortlichen werden notiert, damit die rechtzeitige Information gewährleistet ist.
Vorbildlich dieser Katastrophenschutz. Die Leute dort sind ruhig, aber aufmerksam und sehr um die Sicherheit ihrer Touristen besorgt. Einfach nur super. Da muss niemand aus Angst seine Island-Reise stornieren.“

Da es uns aus zeitlichen Gründen nicht anders möglich ist, wird die Berichterstattung über Bardarbunga ab sofort (26. August) eingestellt.

Bilder mit freundlicher Genehmigung von blue-pics.net, bzw. lukas-gawenda.de.

Eine weitere Verwendung dieser Bilder ohne ausdrückliche Genehmigung des jeweiligen Urhebers (Fabian Rössler, bzw. Lukas Gawenda) ist strikt untersagt.

 

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Jens Skapski

Jens Skapski

Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.
Jens Skapski

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