Fracking, die Nächste! Auch Leipzig – Halle im Fokus der Verschwörungstheoretiker

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Eigentlich liegt der Sinn von Juskis Erdbebennews darin, über Erdbeben weltweit zu berichten. Über mögliche Risiken zu informieren und Folgen darzustellen. Speziell in den letzten beiden Jahren haben wir unseren Fokus immer mehr auf Erdbeben in Deutschland gelegt, da auch hier oftmals der Schock bei plötzlichen Erschütterungen groß ist. Das Risiko hier in Deutschland ist gering, aber vorhanden. Dies möchten wir vermitteln und dies betonen wir immer wieder.
Doch seit vor einigen Monaten dieses eine Thema mit dem Erdgas hochgekommen ist, bemüht man sich an vielen Stellen (natürlich indirekt und unbeabsichtigt) uns entgegenzuarbeiten. Indem das Risiko in Deutschland komplett abgelehnt wird, und jedes Erdbeben in die Verantwortung der Fracking-Konzerne gelegt wird.
Es ist eine Hetze gegen eine neue umstrittene Technologie. Bewusste Falschmeldungen auf Kosten von Shell, Exxon Mobile und co. Und auf Kosten der Wahrheit. Eine Hetze, die uns wütend, sprachlos macht, und im Folgenden werde ich mir keine Mühe geben, dies zu verbergen!

Die neueste Unverschämtheit, die sich diesmal ein Blog namens „Netzfrauen“ erlaubt, heißt

Was bringt unsere Erde zum Beben, sind es die Plattenverschiebungen oder liegt es an Fracking?

Geheime Fracking-Bohrungen in Halle?

Natürlich sei es Fracking! Genau das wollen diese Menschen und die tausende, die diesen Beitrag schon geteilt haben, doch glauben!
Zusammengefasst, da wir diese Seite mit keinem Link unterstützen möchten: „Statt an einer Autobahn wird in Halle an der Saale (natürlich steng geheim!!!) nach Erdgas gebohrt. Probebohrung für Fracking! Genau deshalb hat die Erde gebebt und genau deshalb hat „Netzfrau Mara […] das Erdbeben live unter der Dusche erlebt und dachte erst, dass ihr Kreislauf in den Keller geht“.

Ohne dies weiter auszuführen, oder den Verdacht zu begründen, wird diese Unterstellung so stehen gelassen, und mit Zitaten, Videos und anderem ergänzt, das zeigt, wie gefährlich das Fracking ist.
Also: Das gestrige Erdbeben in Leipzig wurde durch geheimes Fracking verursacht. Stehen die „Netzfrauen“ allein mit dieser Aussage? NEIN!

Bereits heute morgen veröffentlichte der englischsprachige Blog „dutchsinse“, leider auch mit vielen tausend Followern ein ziemlich bekannter, die Meldung von einem „sehr seltenen Erdbeben nahe einer Fracking-Bohrstelle in Ostdeutschland“. Geschmückt mit Meldungen über tatsächlich fracking-induzierte Erdbeben in Oklahoma und nicht von fracking, aber von normaler Erdgasförderung induzierten Erdbeben in den Niederlanden. Botschaft klar: „Deutschland sucht Gas und wird dafür durchgeschüttelt. Fracking, Nein Danke!“

 

So viel aus der verschwörerischen Propagandaabteilung. Die Wahrheit erfahre, wer sich von solchen Blogs fernhalte.
Wie MDR, die Mitteldeutsche Zeitung und andere seriöse Medien bereits gestern, basierend auf Aussagen von Seismologen schon meldeten, geht dieses Erdbeben auf eine tektonische Störungszone zurück, die in dieser Region liegt. Beweis: Historische starke Erdbeben, die auch Gebäudeschäden verursachten, sind aus den Jahren 1553, 1711 (M4.8) und 1896 bekannt. Ein schweres Erdbeben mit M5.7 (geschätzt) bei Gera im Jahr 1872 gilt als das stärkste historische Erdbeben in Ostdeutschland.
Zeiten, in denen Bauern Löcher gegraben und das Gas mit Grashalmen aus dem Boden gesaugt, oder kurz: „gefrackt“ haben. So ist es doch, oder „Netzfrauen“, „dutchsinse“ und co?

Noch ein Beweis für die „Natürlichkeit“ dieses Erdbebens (plus Nachbeben) gefällig? Gerne!
Die Tiefe, 21 km. Von (Fracking-)induzierten Erdbeben weiß man, dass sie sehr oberflächennah stattfinden. Dort, wo Gas gefördert wird. Dort, wo Kohle abgebaut wird. Aber nicht in 21 km Tiefe. Warum kann dies ausgeschlossen werden? Weil die tiefste von Menschen durchgeführte Bohrung nur knapp mehr als 12 km in die Erdkruste führte. Bekannt als Kola-Bohrung, benannt nach der russischen Halbinsel. 9 km, die Realität von Wahnsinn trennen.

Recherche bei Netzfrauen und Dutchsinse: Gleich Null. Noch ein Beweis? Die bei den Netzfrauen genannte Autobahnbaustelle A 33 liegt in Halle (Westfalen) und nicht Halle an der Saale. Geographiekenntnisse?

Ach ja, die angebliche Fracking-Bohrung, die dutchsinse am Epizentrum sieht, ist eine unterirdische Lagerstätte für Erdgas nahe des Ortes Bad Lauchstädt. (USGS, auf dessen Daten sich dutchsinse bezieht, lokalisierte das Epizentrum dort) Das hat nichts mit Förderung zu tun, auch wenn das Verfahren, mit dem das Gas in die Gesteinsschichten zum Lagern gepresst wird, ähnlich zum Fracking scheint.
Unterirdische Erdgasspeicher haben zwar an anderen Orten der Welt zu Erdbeben geführt, in Bad Lauchstädt wurde aber noch nie etwas registriert. Übrigens liegen zwischen Speicher und echtem Epizentrum gut 20 km. Horizontal und vertikal.

Also: Kein Fracking, kein Erdgas! Plattentektonik, die Leipzig, Halle und andere Orte zum Beben brachte.

Zum Schluss noch ein Appell an alle, die an der Wahrheit interessiert sind.
An die Fracking-Gegner: Jeder versteht eure Zweifel. Es gibt wohl nur wenige, die 100%ig von Fracking überzeugt sind. Aber wenn ihr solche Storys erfindet und verbreitet, macht ihr euch selbst lächerlich und demütigt alle, die euch diesen Schwachsinn abkaufen. Protestiert mit sauberen Mitteln, vor allem wissenschaftlich korrekt. Mit Märchenschreiben hat noch niemand einen Doktortitel bekommen.
An alle anderen: Meidet Blogs wie Netzfrauen, dutchsinse und andere, wenn es um kritische Fragen geht! Dort wird einseitig berichtet. Wendet euch an neutrale Medien, oder idealerweise an Wissenschaftler, die euch Antworten liefern können. Vertraut niemanden, der sich mit seinen Verschwörungstheorien bereichern will.

Generell: Deutschland hat induzierte Erdbeben! Bergbau, Geothermie, Erdgasförderung! Nichts davon hat mit der Art Fracking zu tun, die zur Zeit in der Diskussion steht. Und auch in den kommenden Jahren wird es in Deutschland kein Erdbeben geben, das von Fracking verursacht wird. Da Fracking noch garnicht durchgeführt wird und in Halle eine Autobahn gebaut wird.

In der Hoffnung, dass dies (fürs erste) der letzte Aufklärungsbericht zum Thema sein wird.

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Jens Skapski

Jens Skapski

Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.
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