Schweres Erdbeben in Mittelitalien – Schwere Schäden, viele Verletzte – Spürbar bis Süddeutschland

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Italien – Die Erdbebensequenz in Zentralitalien hat sich am Sonntag ein weiteres Mal gesteigert. Mit einem schweren Erdbeben, das zunächst mit Magnitude 6.6 angegeben wird, kam es zum stärksten Erdbeben in Italien seit über 35 Jahren. Betroffen war erneut die Region Marken nahe des Ortes Visso, wo es vor wenigen Tagen ein starkes Beben gegeben hat. Das Beben war so stark, dass es in weiten Teilen des Landes und vermutlich auch großflächig im Alpenraum (einschließlich Süddeutschland) verspürt worden ist. Ebenfalls Teile des Balkans (Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina) sind betroffen.

In den bereits betroffenen Dörfern um Visso und Ussita sind erneut schwere Schäden zu erwarten. Auch weiter entfernte Orte können diesmal betroffen sein. Es ist mit Opfern zu rechnen.

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Update 07:55 Uhr
In Rom wurde das Erdbeben sehr kräftig verspürt. Zahlreiche Menschen verließen ihre Häuser. Zur Zeit noch keine Infos über mögliche Schäden.

Update 08:00 Uhr
In den letzten zwei Tagen war die Nachbebenaktivität moderat. Es gab mehrere Erdbeben über Magnitude 4. Trotz der vielen Erdbeben hat es bisher keine Todesopfer durch einstürzende Gebäude gegeben. Durch das neue Erdbeben, das auch weiter entfernte Regionen stark beeinflusst hat, könnte die Situation sich ändern. Besonders am frühen morgen, wenn viele Menschen noch schlafen, können einstürzende Gebäude zur Todesfalle werden.

Update 08:04 Uhr
In der gesamten Region Marken war das Erdbeben so stark, das Gegenstände von Wänden und Schränken geworfen wurden. An vielen Orten haben Menschen in Panik ihre Häuser verlassen ´. Ähnliche Situation in angrenzenden Regionen.

Update 08:10 Uhr
Der Italienische Erdbebendienst bestätigt das Beben mit Magnitude 6.1. Damit war es stärker als das Beben vor wenigen Tagen, aber schwächer als zum Beispiel das L’Aquila-Erdbeben im Jahr 2009. Dennoch kann es verheerende Auswirkungen haben.

Update 08:12 Uhr
Bereits drei Nachbeben über Magnitude vier wurden aufgezeichnet. Bei Hauptbeben dieser Stärke sind Nachbeben bis Magnitude 5.5 möglich.

itaUpdate 08:17 Uhr
Das Epizentrum lag im Vergleich zu den vorherigen Beben relativ weit im Süden. In einem Gebiet, wo die Bruchfläche der Erdbeben noch nicht bis zur Oberfläche gereicht hat. Damit scheint nun eine bisher übersehene Lücke gefüllt worden zu sein. Schlecht für Norcia, da sich die Stadt, die bisher genau “zwischen den Erdbeben” war und entsprechend verschont wurde, genau das Epizentrum bildet.

Update 08:21 Uhr
Castelsanangelo und Ussita, zwei der Orte, die vor wenigen Tagen am meisten betroffen waren, scheinen erneut schwere Verluste erlitten zu haben. Bürgermeister der beiden Orte sprechen davon, dass nun alles eingestürzt sei. Da die meisten Menschen die Nacht und den Morgen weiterhin im Freien verbracht haben, sollte hier nicht mit Opfern zu rechnen sein

Update 08:24 Uhr
Umbrien war erneut betroffen. Die Feuerwehr ist in vielen Gemeinden in Einsatz. Bereits jetzt wurde bekannt, dass einige Kirchen und Klöster eingestürzt sind.

Update 08:27 Uhr
Angesichts der Vielzahl von betroffenen Menschen ziehen die Behörden in Betracht, die Regionen teilweise zu evakuieren und betroffene Menschen vorübergehend auf Notfalleinrichtungen an den Küsten zu verlagern. Bestehende Notunterkünfte sind seit dem Erdbeben vom Mittwoch bereits restlos belegt.

Update 08:30 Uhr
In der Stadt Piunti trat das Erdbeben während einer Kommunionsfeier auf. Die Kirche wurde beschädigt und Trümmer stürzten auf die Besucher. Bisher keine Infos über Verletzte.

Update 08:35 Uhr
In Zahlreichen Gemeinden der Provinz Marcerata sind Gebäude eingestürzt. Menschen werden unter den Trümmern vermisst. Auch die im August betroffenen Regionen Accumoli und Amatrice verzeichneten neue Schäden. Zudem ist in vielen Teilen der Region der Strom ausgefallen.

Update 08:41 Uhr
Auch in der Innenstadt von Norcia sollen Gebäude eingestürzt sein. In Amatrice ist der Stadtturm zerstört worden, der als eines der wenigen Gebäude das Erdbeben am 24. August überstanden hatte. Zwei Menschen wurden bereits aus den Trümmern gezogen.

Update 08:43 Uhr
Das INGV hat die Angaben zum Erdbeben auf Magnitude 6.5 revidiert. Damit doch das stärkste Erdbeben seit 1980 in Italien.

Update 08:58 Uhr
Dass größere Ausmaß der Schäden als bei den bisherigen Erdbeben zeichnet sich aus ersten Berichten ab. Während zuvor überwiegend die Dörfer betroffen waren, die sich direkt am Epizentrum befinden, sind nun Häuser eingestürzt, die teils 20 Kilometer entfernt waren. Hinzu kommen die vielen durch drei starke Erdbeben vorbelasteten Gebäude. Entsprechend hoch ist auch die Bedrohung durch Nachbeben.
Bisher werden noch keine Todesopfer gemeldet, jedoch einzelne Verletzte aus verschiedenen Gemeinden.

Update 09:11 Uhr
Zu den Auswirkungen in Deutschland: Wie beim Erdbeben zuvor wurde auch dieses Erdbeben vereinzelt wahrgenommen. Aufgrund des Zeitpunktes (Sonntagmorgen) von deutlich weniger Menschen, da es nicht stark genug war, um Menschen aufzuwecken. Bisher konnten wir einzelne Meldungen den Regionen Ulm, Saarbrücken, München und Landshut zuordnen.

Update 09:18 Uhr
Bild der eingestürzten Kathedrale in Norcia

Update 09:20 Uhr
In Visso, wo nun fast alle Gebäude zerstört sind, berichten Bewohner von einem Gasgeruch, der von gebrochenen Gasleitungen herrührt. Rohrbrüche werden auch aus anderen Orten gemeldet.
Die Feuerwehren des betroffenen Gebietes haben alle verfügbaren Einsatzkräfte mobilisiert. Zudem sind Suchhunde im Einsatz. Zerstörte Straßen erschweren aber sowohl die Rettungsarbeiten, als auch die Evakuierungen.
Behörden haben auch in entfernteren Orten, unter anderem in Rieti, die Schließung aller öffentlichen Gebäude, vor allem Kirchen und Schulen, veranlasst.

Update 09:25 Uhr
Mehrere Krankenhäuser mussten wegen des Erdbebens evakuiert werden.
Kleinere Schäden werden inzwischen auch aus der Innenstadt von Neapel gemeldet.

Update 09:38 Uhr
In der Stadt Tolentino wurden drei Menschen aus den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes gezogen. Schwer verletzt, aber am Leben.

Update 09:50 Uhr
In weiten Teilen Umbrien und Marken gibt es nun Kontrollen in Städten. Schäden wurden noch in Ascoli aufgezeichnet, wo eine Kirche teilweise eingestürzt ist.

Update 09:53 Uhr
Verletzte werden zur Zeit mit Hubschraubern aus den zerstörten Dörfern gebracht, da durch Erdrutsche viele Straßen unpassierbar sind. In Norcia wurden mindestens sechs Menschen verletzt.

Auch aus der Stadt L’Aquila gibt es Schadensmeldungen. Ein Gebäude, das 2009 beschädigt wurde und seit dem leer steht, ist nun eingestürzt.

Update 10:02 Uhr
Zunehmend gibt es Meldungen von Verletzten, inzwischen mindestens 23. Zudem wurden einige Menschen unverletzt aus eingestürzten Häusern gerettet. Inzwischen ist die Armee im Einsatz. Sowohl regionale Rettungskräfte als auch der Kasatrophenschutz sind angesichts des Ausmaßes der Schäden und der Behinderungen (Erdrutsche, verstopfte Straßen durch Evakuierungen) der Situation nicht gewachsen.

Update 10:20 Uhr
Teile des Dorfes Ussita sind zur Zeit von der Außenwelt abgeschnitten. Dort sollen sich allerdings, nach Angaben der Angehörigen, vor allem ältere Menschen befinden, die sich nach den Beben der letzten Tagen geweigert haben, ihre Häuser zu verlassen. Die Rettungskräfte versuchen diese Gebiete mit Hubschraubern zu erreichen.

Update 10:24 Uhr
Verletzte aus dem Raum Norcia werden zur Zeit in die Krankenhäuser in Foligna gebracht. Bislang werden dort 10 Menschen behandelt, zwei von ihnen mit schweren Verletzungen. Neun weitere Menschen werden in Cascia behandelt.

Update 10:41 Uhr
Die Behörden sehen sich nun mit Zensurvorwürfen konfrontiert. In sozialen Netzwerken wird behauptet, die vorläufige Angabe von Magnitude 6.1 sei zustande gekommen, weil die Regierung verhindern wollte, dass zu viele Schadensersatzzahlungen zustande kommen.
Eine nicht haltbare Behauptung. Schadensersatzzahlungen und Hilfen werden nach Bedarf gezahlt und geleistet und nicht nach Magnitude. Dass zunächst Magnitude 6.1 angegeben wurde ist den Unsicherheiten geschuldet, die immer bei der Auswertung eines solchen Erdbebens auftreten. Erdbebendienste wie das USGS haben direkt Magnitude 6.6 angegeben, was dem später vom INGV angegebenen Wert M6.5 schon sehr nahe kommt.

Update 10:47 Uhr
An weiter entfernten Orten sind es vor allem die Kirchen, die teils ernste Schäden erlitten haben. Deswegen haben Bischöfe der Region dazu aufgerufen, die für Sonntag geplanten Gottesdienste nicht durchzuführen. In einigen Städten ist dies wegen der Schließung der Kirchen sowieso durch die Behörden untersagt.
Bei früheren Erdbeben in Italien war es häufig so, dass besonders in den Kirchen viele Opfer zu beklagen waren.

Update 11:34 Uhr:
In Norcia gab es durch das Erdbeben mindestens 20 Verletzte.

Update 14:15 Uhr:
Der Katastrophenschutz hat mitgeteilt, dass insgesamt etwa 20 Personen, überwiegend leicht verletzt wurden, einige davon schwer, in Lebensgefahr schwebe aber keiner. Todesopfer gab es keine. Zurzeit werden Notfalllager für 1500 Menschen in Umbrien vorbereitet.

Update 15:12 Uhr
Die Nachbebenaktivität hält weiterhin an mit häufigen Erdbeben über Magnitude 4. Große Nachbeben über Magnitude 5 sind bislang nicht aufgetreten. Grund dafür könnte die Menge der Vorbeben sein. Für die nächsten Tage auszuschließen sind starke Nachbeben auf jeden Fall nicht.
Während die Schäden des Erdbebens immens sind, bleibt es auch heute bei materiellen Verlusten. Viele Dörfer sind ganz oder teilweise zerstört worden. Darunter auch Orte wie Arquata del Tronto, Accumoli, Visso oder Castelsanangelos, die durch vorherige Erdbeben bereits schwere Verluste hinnehmen mussten. Die Zahl der Obdachlosen durch das neue Erdbeben allein wird in die Zehntausende gehen. Es werden weiterhin Notfallcamps eingerichtet, zusätzlich zu den bereits bestehenden. Dabei ist an einen Wiederaufbau zerstörter Häuser wohl auch zum Ende des Jahres noch nicht zu denken. Stattdessen sind Pläne für eine Umsiedlung der Menschen auf dem Tisch.
Zunächst läuft aber die Suche nach möglicherweise noch Verschütteten weiter. Bisher konnten insgesamt neun Menschen lebend aus den Trümmern geborgen werden. Insgesamt sprechen Medien und Behörden von rund 25 Verletzten. Angesichts der Zerstörung ein weiteres Wunder, nachdem bereits das Erdbeben vor drei Tagen nur ein einziges Todesopfer gefordert hat. Dafür sind viele Betroffene in psychisch schlechter Verfassung.

Update 19:35 Uhr
Insgesamt rund 30.000 Menschen mussten wegen Erdbebenschäden ihre Häuser verlassen. Davon rund 25.000 in Marken, 3000 allein in Norcia und 400 in den Abruzzen. Etwa 2000 der Betroffenen aus Marken wurden dabei in andere Regionen untergebracht.

wird fortgesetzt…

Zeugenmeldungen
Neapel (Kampanien)
Leichtes Beben spürbar um ca 7.44 Uhr. Hausbesetzung spürbar und Stehlampe schwingt um 2 cm.

Rom (Latium)
Haus hat geschwankt, Vorhänge haben gewackelt, ca 1cm Ausschlag Re und links.
2x

Casteleone di Suasa (Marken)
Die Heftigkeit kann ich nur bestätigen. Dies war schlimmer und länger als das August Beben. Ziemlich weiche Knie und Ohnmachtgefühle sind das Ergebnis.

Castigileone del Lago (Umbrien)
Auch in unserer Region (Lago Trasimeno/Umbrien) haben wir ein heftiges Beben gespürt, dass unglaublich lange andauerte, über 1 Minute. Unser Kronleuchter schwingt nach 10 Minuten immer noch. Alle Nachbarn haben sich sofort auf der Piazza getroffen. Schäden gibt es aber nicht.

Rom (Latium)
07.40 es hat zwei Minuten gedauert das Bed gebebt.
In Rom Latium Italien die Ubahn wurden gestoppt

Innsbruck (Tirol)
30.10 morgens
Bett wackelt  

München (Bayern)
Ca. 08:00 hat in der Wohnung ein 25 kg schwerer Kronleuchter gewackelt.

Großkarolinenfeld (Bayern)
30.11.16, früh morgens….Das Haus hat deutliche kurze Bewegung, dass ich wach geworden bin. Bis ich alles realisieren und einordnen konnte war es auch schon wieder vorbei.

Unterreit (Bayern)
heute morgen gegen 7.45 Uhr saß ich beim Teetrinken als der Lampenschirm und die Gewichte an der Kuckucksuhr ca. 10cm hin und her schwangen. Mir lief ein Schauer über den Rücken. Auch die Wäsche auf der Leine hat gewackelt. Ich dachte gleich an ein Erdbeben.

Grassau (Bayern)
7.50 Knarren im Holzhaus, Lampe hat gewackelt 

Bad Nenndorf (Niedersachsen)
Heute morgen einen dumpfen Schlag im Haus verspürt. Uhrzeit passt genau zur Uhrzeit des Bebens in Italien. Zufall?! 

Rom (Latium)
7.55 via nationale Hotel la griffe 

Klais (Bayern)
Ich habe heute früh gegen 7.45 im 3. Stockwerk eines soliden neuen Gebäudes deutlich ein Erdbeben gespürt. Kenne das aus Kalifornien. Das Bett schien sich zu bewegen, es war eine Art “schwimmende” Bewegung.

Landshut (Bayern)
Ich wohne in einem Hochhaus im 6. Stock. Heute, irgendwann in den frühen Morgenstunden, nahm ich eine kurzzeitige Erschütterung,(so als würde sich das Gebäude bewegen), wahr. Ich lag noch im Bett. Da ich in diesem Augenblick nicht wußte, wodurch es ausgelöst wurde,,war mir ein wenig mulmig zumute. Ob eventuelle Schäden entstanden sind kann ich leider nicht beurteilen, da ich nur Mieter bin.

München (Bayern)
30.10.2016: Ich lag im Bett und habe eine Vibration gespürt. Ich weiß es war Früh (zwischen 7 und 8?) aber ich weiß leider keine genaue Uhrzeit.

Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 30. Oktober, 07:40 Uhr MEZ

Magnitude: 6.5

Tiefe: 9 km

Spürbar: ja

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: ja

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

Epizentrum:

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.
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Jens Skapski

Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

5 Kommentare

  1. Glückwunsch an Euch, Eure erste Bewertung mit 6,6 war besser und schneller als alle anderen. Super Job

  2. Südlich von Rom
    Die anderen Erdbeben haben wir nicht gespürt. Dieses Mal hat es aber auch bei uns heftig gerüttelt.

Kommentare sind geschlossen.