Das Jahr 2016 – Zwischen Wunder und Katastrophe

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Das Jahr 2016 wird vielen in Europa als ereignisreiches Jahr in Erinnerung bleiben. Nicht nur der Brexit hat den Kontinent erschüttert, sondern auch selten gesehene Erdbebenserien in Italien und Spanien. Aber auch andere Teile der Welt wurden von Erdbeben überrascht. In Ecuador und Japan gab es Katastrophen, die Schlagzeilen machen. Viele Länder in Afrika, Neuseeland und die USA erlebten Rekorderdbeben. Die größten Erdbeben, die größten Wunder und die schlimmsten bekannten und weniger bekannten Katastrophen: Der Jahresrückblick 2016.

Inhaltsverzeichnis

Insgesamt war das Jahr recht aktiv. Innerhalb kürzester Zeit gab es eine Vielzahl von schweren Erdbeben, dann gab es Monate ohne signifikante Aktivität. Im zu ende gehenden Jahr gab es 144 Erdbeben über Stärke 6,0, davon waren 17 stärker als 7,0. Zum Vergleich: 2015 waren es 146 und 19 Erdbeben und 2014 ereigneten sich 155 Erdbeben über 6,0, davon waren 12 Stärker als 7,0. Auffallend war in diesem Jahr die hohe Anzahl von Erdbeben jenseits von Stärke 7,5. Im Folgenden ein tabellarischer Überblick aller schwerer Erdbeben des Jahres:

DatumOrtStärkeDatumOrtStärke
17.12Papua – Neuguinea7,928.05Südatlantik7,2
08.12Salomonen7,830.01Russland7,2
13.11Neuseeland7,829.08Zentralatlantik7,1
16.04Ecuador7,824.01Alaska7,1
02.03Indonesien7,824.11El Salvador7,0
29.07Nördliche Marianen7,701.09Neuseeland7,0
25.12Chile7,628.04Vanuatu7,0
19.08(Südatlantik)7,415.04Kyushu (Japan)7,0
12.08Vanuatu7,2

 

Januar:

Im Januar ereigneten sich 13 Erdbeben über Stärke 6,0, davon waren zwei stärker als 7,0. Das erste große Erdbeben des Jahres ereignete sich am 3. Januar im Indischen Bundesstaat Manipur. Es erreichte eine Stärke von 6,7. In Manipur, aber auch in anderen Bundesstaaten und in Bangladesch gab es teils schwere Schäden, 21 Todesopfer und 500 Verletzte. Beginnend mit einem moderaten Erdbeben (M4,9) begann am 21. Januar eine lange anhaltende Erdbebensequenz in der Straße von Gibraltar zwischen Spanien und Marokko, welche ihren Höhepunkt am 25. Januar mit einer Stärke von 6,3 fand. Durch die Erdbeben, die bis Mitte März anhielten, wurden 42 Menschen in Spanien und Marokko verletzt.
Das erste Erdbeben der Stärke 7 des Jahres ereignete sich am 24. Januar in Alaska (M7,1). Die große Tiefe von rund 130 Kilometern führte verbreitet zu starken Erschütterungen. Vier Gebäude wurden bei einem Feuer durch eine gebrochene Gasleitung zerstört und eine Person leicht verletzt. Sehenswert sind die Aufnahmen aus einer Lagerhalle:

Das zweite tödliche Erdbeben des Jahres hat Indonesien getroffen. Mit Magnitude 5.4 nahe der Molukken-Inselgruppe war es nicht übermäßig stark. Doch die Nähe zur Insel und die schlechte Bauweise führte hier zum Einsturz dutzender Wohnhäuser. Eine Person kam ums Leben, 22 wurden verletzt.

China, traditionell das Land, was fast jedes Jahr die meisten Erdbebenschäden zu beklagen hat, erlebte 2016 ein vergleichsweise ruhiges Jahr. Zwar gab es wieder mehrere starke Erdbeben, doch trafen diese fast immer abgelegene Regionen, wo nur wenige Menschen ernsthaft zu schaden kamen. So auch das Beben der Stärke 6.4 in der Provinz Gansu am 20. Januar. Neun Verletzte und 724 beschädigte Gebäude ist für ein solches Beben fast schon ein einzigartig positives Resultat für China.

Warum neben einstürzender Gebäude auch Mitmenschen, oder eher: Ihre Reaktion zu einer Gefahr bei Erdbeben werden können, zeigte sich Ende Januar eindrucksvoll in Äthiopien. Ein recht kleines Erdbeben mit M4.2 trat die Großstadt Hawassa. Schäden hielten sich in Grenzen. Doch an vielen Orten, vor allem in Schulen, Universitäten und Supermärkten kam es zur Massenpanik. In diesen Stampeden, durch Sprünge aus Fenstern und Stürzen auf Treppen wurden hunderte Menschen verletzt.

Februar:

Im Februar nahm die Erdbebenaktivität etwas ab, zehn Erdbeben über Stärke 6 wurden registriert, davon war keines Stärker als 7,0. Taiwan wurde am 5. Februar vom schlimmsten Erdbeben seit 17 Jahren getroffen. Mit Stärke 6,4 war es deutlich schwächer als das katastrophale Erdbeben im Jahr 1999 (M7,7) dennoch forderte es 117 Todesopfer. Infolge des Erdbebens stürzte ein 17-stöckiges Wohngebäude ein, bei dessen Einsturz war ein Großteil der Todesopfer des Erdbebens zu beklagen. Schnell stellte sich heraus, dass das Gebäude nicht nach geltenden Vorschriften erbaut wurde, sondern dass Wände teils mit Styropor und Ölkanistern gebaut und tragende Wände entfernt wurden. Im November wurden fünf Personen, darunter der Besitzer und Architekt des Gebäudes, zu fünf Jahren Haft und zu einer Geldstrafe in Höhe von 90.000 Taiwan-Dollar (etwa 2700€) verurteilt.

Wenige Stunden vor dem Taiwan-Erdbeben kam es in Nepal zu einem größeren Nachbeben. Das Land, das noch immer unter den Folgen der Erdbebenkatastrophe von 2015 leidet, wurde mit Magnitude 5.5 getroffen. Es gab einige Schäden, sowie ein Todesopfer. Im gesamten Jahr 2016 kam es immer wieder zu Nachbeben in Nepal, die kleinere Zwischenfälle verursachten.

Ein weiteres “Nachbeben” traf Ende Februar die neuseeländische Stadt Christchurch. Fast genau fünf Jahre nach der dortigen Erdbebenkatastrophe bebte die Erde mit Stärke 5.8. Die Intensität des Bebens war sehr hoch, was sich in zahlreichen Berichten über Bodenverflüssigung und Steinschlägen wiederspiegelt. Eine Katastrophe blieb aber aus. Der größte Teil der rund 10.000 gemeldeten Versicherungsfälle besteht aus oberflächlichen Schäden.

Wie schon in den vergangenen Jahren begleitete auch in diesem Jahr die vulkanisch-seismische Aktivität am peruanischen Vulkan Sabancaya die Anwohner. Was in mehreren größeren Eruptionen am Ende des Jahres gipfelte, begann Ende Februar mit einem Erdbeben der Stärke 5.2. 28 Gebäude wurden dabei zerstört, mehr als 100 beschädigt und drei Personen verletzt. Doch das war für Peru erst der Anfang eines Jahres mit mehreren Erdbebenkatastrophen.

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März:

Die Erdbebenaktivität erreichte im März ein Minimum. Nur fünf Erdbeben waren stärker als 6,0. Eines am 2. März erreichte eine Stärke von 7,8 und ereignete sich weit vor der Küste der Indonesischen Insel Sumatra. Sowohl Erdbeben als auch der 10cm Hohe Tsunami blieben folgenlos. Der Rest des Monats hatte kaum auffällige Erdbeben. Auch die Schäden hielten sich in Grenzen, sodass der März mit nur 19 Schadensbeben, davon 6 unter (!) Magnitude 4, der harmloseste Monat des Jahres war. Einzig China verzeichnete “normale” Aktivität, wo durch sechs Beben um Magnitude 4 in den Provinzen Yunnan, Guanxi, Sichuan, Shanxi und Shandong rund 1000 Gebäude beschädigt wurden.

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Lukas Rentz

Lukas ist 18 und macht voraussichtlich 2018 sein Abitur an einem Gymnasium in Alzey. Anschließend soll ein Geologie-Studium folgen.

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