Die Erdbebengefahr am Oroville-Stausee

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Kalifornien – Aus aktuellem Anlass blicken wir in den Osten von Kalifornien, wo nach heftigen Niederschlägen der Oroville-Staudamm zu brechen droht. Nachdem das kontrollierte Ablaufen des Wassers zu schweren Erosionsschäden geführt hat, droht nun eine schwere Überflutung am Unterlauf des Flusses Feather River, wo aktuell mehr als 188.000 Menschen evakuiert werden.

Lage des Oroville-Stausees in Kalifornien

Kalifornien gilt, wie allgemein bekannt ist, als erdbebengefährdet, weshalb uns in den letzten Stunden Anfragen zur Situation dort erreichten. Ein größeres Erdbeben könnte nämlich die sowieso angespannte Schadenssituation am Damm weiter verschärfen.
Zunächst ein Blick in die Vergangenheit: Der Stausee wurde im Jahr 1968 eingeweiht. In einer Region im Nordosten Kaliforniens, die damals als deutlich weniger erdbebengefährdet gilt als zum Beispiel entlang der San Andreas Störung. Es waren kaum historische Erdbeben aus dem Gebiet bekannt.

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Bis zum Jahr 1975, als es unmittelbar südlich des Stausees am sogenannten Foothills Fault System zu einem Erdbeben der Stärke 5.7 kam, das in Oroville einige Schäden verursachte. 10 Menschen wurden dabei verletzt, doch am Staudamm entstanden keine Schäden. Bereits damals zeigte sich, dass der Damm auch starke Erdbeben ohne Probleme überstehen kann.

Oroville-Stausee mit bekannten Störungen und Epizentren (Daten: USGS)

Es gab damals Spekulationen, ob die Errichtung des Stausees selbst dazu geführt hat, dass es an der als inaktiv geltenden Störung zu neuer Aktivität kam. Weltweit sind viele Fälle bekannt, wo durch die Änderung des Porenfluiddrucks infolge der Wasserauflast zu teils größeren Erdbeben gekommen ist. Meist innerhalb weniger Jahre nach Errichtung des Stausees.

Seit 1975 blieb es seismisch ruhig um dem Stausee. Keine größeren und nur wenige kleinere Erdbeben verzeichnete das USGS. Auch aktuell gibt es, trotz der immensen Füllmenge des Sees, keine Mikroerdbebenaktivität. Das einzige in den letzten zwei Wochen registrierte seismische Ereignis geht auf eine Steinbruchsprengung zurück.

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Zusammengefasst besteht im Moment also aktuell kein Grund zusätzlicher Besorgnis aufgrund möglicher Erdbeben. Zwar besteht immer ein gewisses Risiko, dass es zu größeren Erdbeben kommt. Doch gibt es keine Anzeichen, dass dieses durch die aktuelle Situation verschärft ist.

Andere Stauseen, die ebenfalls unter Hochwasser zu leiden haben, sind dort eher gefährdet. Bereits vor drei Tagen wurde an einem kleineren Stausee nahe San Francisco Wasser abgelassen, da ernste Zweifel bestanden, dass weiterhin Resistenz im Falle eines größeren Erdbebens gewährleistet ist. Der Anderson Dam befindet sich direkt am Rand der sehr gefährlichen Calaveras-Störung.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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