Verletzte und Schäden: Starker Erdbebenschwarm in Canakkale

Share Button

Original vom 6. Februar:
Türkei – Rund drei Wochen nach Beginn des Erdbebenschwarmes an der Küste der türkischen Region Canakkale hat die Erdbebenaktivität einen (vorläufigen) Höhepunkt erreicht. Am frühen Morgen registrierten die Behörden das bisher stärkste Beben mit Magnitude 5.3. Wie bei den vorherigen Erdbeben lag das Epizentrum nahe des Dorfes Gülpinar, etwa 30 Kilometer nördlich der griechischen Insel Lesbos.
Nahe des Epizentrums war dieses Erdbeben stark zu spüren. In mehreren größeren Städten brach Panik aus und Menschen verbrachten den Morgen außerhalb der Gebäude. Die Erschütterungen waren bis Istanbul und Bursa zu spüren, ebenso in Teilen des griechischen und bulgarischen Festlands.
In mehreren Dörfern nahe des Epizentrums brachte das Beben ältere unbewohnte Gebäude zum Einsturz. Nach Angaben der Behörden waren diese Häuser bereits von den Unwettern der letzten Wochen betroffen. Neben Gülpinar war vor allem Ayvacık betroffen, wo durch den Einsturz einer Scheune zahlreiche Nutztiere (Schafe) ums Leben gekommen sind.
Auch im Dorf Bayırköy, das knapp 50 Kilometer vom Epizentrum entfernt liegt, gibt es einige Schäden. Mindestens 50 Häuser sind betroffen. Vier Menschen wurden verletzt.
Nach dem Hauptbeben folgten viele kleinere. Die beiden stärksten erreichten bisher M4.2 und 4.0.

Update 12:04 Uhr
Der Erdbebenschwarm geht mit einem weiteren starken Erdbeben weiter. Am Mittag registrierte das Observatorium Kandilli ein weiteres starkes. Zunächst wird mit Magnitude 5.0 eine ähnliche Stärke angegeben, wie beim Beben am frühen morgen. Das Epizentrum lag erneut an der Küste von Canakkale. Es war ebenfalls bis in die umliegenden Millionenstädte Bursa, Izmir und Istanbul zu spüren. Rund um das Epizentrum muss mit weiteren Schäden gerechnet werden.

Update 21:11 Uhr
Rettungskräfte berichten von rund 300 Gebäuden in 12 verschiedenen Dörfern, die durch das Erdbeben betroffen waren. Einige sind zerstört worden. Hunderte Menschen werden in Notunterkünften versorgt, da der Schwarm kleinerer Erdbeben weiter anhält. Es wird davor gewarnt beschädigte Häuser zu betreten. Es müsse jederzeit mit weiteren größeren Erdbeben gerechnet werden.
Durch die Beben wurden bisher fünf Personen verletzt.

Fortsetzung unter dem Video

Anzeige

Erdbebenschäden in Dörfern im Westen von Canakkale

Update 7. Februar, 07:46 Uhr
In der Nacht hielt die starke Erdbebenaktivität von gestern weiter an. Um 3:24 Uhr kam es zu einem weiteren starken Erdbeben, das laut den türkischen Behörden Magnitude 5.2 erreichte. Die Lage des Epizentrums blieb dabei nahezu unverändert. Es folgte eine starke Nachbebenserie mit dutzenden Beben binnen weniger Stunden, deren stärkste Vertreter M4.2 erreichten. Durch das erneute Erdbeben kam es zu weiteren Schäden. Es ist die Rede von dutzenden neuen beschädigten Gebäuden. Weitere Verletzte gab es nicht. Seit gestern Morgen wurden insgesamt 300 Erdbeben registriert.

Zu den gestrigen beiden Erdbeben wurden weitere Informationen zum Ausmaß der Schäden bekannt. Demnach kam es in insgesamt 13 Dörfern zu Schäden an über 400 Gebäuden, mehr als 200 von ihnen wurden schwer beschädigt oder komplett zerstört. Hunderte Menschen sind obdachlos. Viele weitere verbrachten die vergangene Nacht in Freien, da durch die andauernden Beben die Gefahrenlage bestehen bleibt. Türkische Erdbebenexperten sprechen inzwischen von einer gewissen Wahrscheinlichkeit, dass dieser Schwarm zu einem schweren Erdbeben führen könnte. Entsprechend sollen Anwohner so weit möglich gefährdete Gebäude meiden.
Es ist infolge des gestrigen Bebens von acht Verletzten die Rede, wovon drei im Krankenhaus behandelt werden. Lebensgefahr besteht bei keinem der Patienten.

Update 10. Februar:
Der Erdbebenschwarm hat auch in den vergangenen Tagen angehalten, allerdings zuletzt ohne größere Beben. Dennoch kam es teilweise zu Phasen, wo mehrere Beben pro Stunde verzeichnet und von der Bevölkerung verspürt wurden. Nun, am Freitagvormittag, hat sich ein weiteres größeres Erdbeben ereignet. Zunächst wird es von den türkischen Behörden mit Magnitude 5.0 angegeben und gehört damit zu den vier stärksten Erdbeben des Schwarmes. Eine folgende Korrektur nach unten scheint aber, angesichts der Daten anderer Erdbebendienste, wahrscheinlich. Die Erschütterungen waren erneut entlang der türkischen Ägäisküste bis ins Inland spürbar. Neue Schäden sind wahrscheinlich.

Update 12. Februar
Erneut lebt die Erdbebenaktivität auf, nachdem es mehrere Tage einigermaßen ruhig geblieben ist. Am Sonntagnachmittag kam es in Canakkale zum nächsten größeren Erdbeben. Nach ersten Angaben des türkischen Erdbebendienstes erreichte es Magnitude 5.4 und war damit das bisher stärkste Beben des Schwarmes. Das Beben war verbreitet in weiten Teilen der westlichen Türkei, auf vorgelagerten Inseln und Teilen des griechischen und bulgarischen Festlandes zu spüren. Mit neuen, größeren Schäden muss gerechnet werden.

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt? Falls ja, teilen Sie uns dies bitte über das verlinkte Meldeformular oder per Kommentar mit. Ihre Meldung hilft uns dabei, unsere Berichterstattung und die Auswertung von Erdbeben zu verbessern. Vielen Dank.

Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): seit 6. Februar. 04:51 Uhr

Magnitude: bis 5.3

Tiefe: 8 km

Spürbar: ja

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: unwahrscheinlich

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

Epizentrum:

Anzeige

In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.
The following two tabs change content below.

Jens Skapski

Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

Neueste Artikel von Jens Skapski (alle ansehen)