Die Erdbebenserie im Süden von Hessen 2014 / 2015

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Letztes Update: 27. Mai 2015

Seit einigen Monaten wird der Süden von Hessen von einer Reihe Erdbeben erschüttert. Diese Erdbebenserie setzte im März ein. Ihr vorläufiger Höhepunkt war im Mai zu verzeichnen. Weitere Erdbeben gab es aber auch in den Wochen danach. Besonders an dieser Serie ist, dass selbst kleine Erdbeben deutlich verspürt wurden. Das stärkste Erdbeben am 17. Mai 2014 erreichte Magnitude 4.2 und richtete teils erhebliche Sachschäden an einigen Orten an.

Spürbare Erdbeben in Südhessen 2014

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Diese Tabelle wird regelmäßig aktualisiert. Meldungen über Spürbarkeit eines Bebens erhielten wir über unser Meldeformular und als Kommentar.


Ticker (Chronologisch)
Zum neuesten Update am Ende des Textes

13. März 2014, Magnitude 1.9: Das erste signifikante Erdbeben (nachdem es am 2. März ein Beben der Stärke 0.7 gegeben hat), traf Ober-Ramstadt am frühen Morgen des 13.März. Magnitude 1.9 wird vom Hessischen Erdbebendienst angegeben. Wir erhielten keinen Zeugenbericht dazu, aber anhand der Daten von späteren Beben denken wir, dass auch dieses Beben von einigen Menschen wahrgenommen wurde.
Unser Bericht dazu
I
n der gleichen Woche hat es zudem zwei leichte Erdbeben im nahe gelegenen Biblis gegeben. Ob diese mit der Aktivität bei Darmstadt zusammenhängen, ist nicht klar.

30. März 2014, Magnitude 3.2: Das erste Hauptbeben wenn man es so nennen kann, erschütterte weite Teile der Region. Vor allem in Darmstadt und Mühltal erschreckten sich viele Leute, es war das stärkste Erdbeben seit Jahren. An einzelnen Gebäuden gab es leichte Schäden.
Unser Bericht dazu

Bis auf zwei nicht spürbare Ereignisse unter Magnitude 0.5 blieben April und die 1. Maihälfte erdbebenfrei.

17. Mai 2014, Magnitude 4.2: Das Hauptbeben, das stärkste seit Jahrzehnten, setzte um 18.46 Uhr am frühen Abend ein. Es erschütterte nicht nur die Region Darmstadt, sondern auch das gesamte Rhein-Main-Gebiet, das Rhein-Neckar-Gebiet und den äußersten Nordwesten von Bayern. Rund um Ober-Ramstadt und Mühltal wurden mehr als 100 Gebäude beschädigt. Besonders betroffen ist Nieder-Beerbach.
Unser Bericht dazu
I
n den Stunden danach gab es mehrere meist kleine Nachbeben. Ein spürbares (M 1.2) ereignete sich am 18. Mai um 14 Uhr. Insgesamt 14 Beben über M 0 gab es bis zum 24. Mai

27 Mai 2014, Magnitude 1.7: In einigen Ortsteilen von Mühltal wurde es um 8.14 Uhr am Morgen leicht wahrgenommen. Drei kleinere Beben (unter M 1) wurden zuvor und danach registriert.
Unser Bericht dazu

29. Mai bis 1. Juni: Fünf Erdbeben über M 1 hat es in diesem Zeitraum gegeben, mindestens 4 von ihnen waren nach Zeugenangaben in Mühltal und Umgebung spürbar:
29.05.2014 – 20:40 Uhr – M 1.4
30.05.2014 – 06:40 Uhr – M 1.0
31.05.2014 – 08.31 Uhr – M 1.2
01.06.2014 – 06:58 Uhr – M 1.9
01.06.2014 – 07:03 Uhr – M 1.0
Das stärkste dieser Erdbeben war auch im Süden von Darmstadt spürbar. Es kam nicht zu Schäden, aber viele Menschen wurden aus dem Schlaf gerissen.
Unser Bericht dazu

Nur wenigen kleine, nicht spürbare Erdbeben an den Tagen nach dem 1. Juni

7. Juni, Magnitude 1.8: Zu später Stunde (22.31 Uhr) wurden erneut Menschen an vielen Orten erschreckt, darunter Ober-Ramstadt, Roßdorf, Modau und Groß-Bieberau. Vor allem das Grollen, das dem Beben vorausging, war signifikant, so dass der erste Eindruck vieler Zeugen ein Gewitter vermuten ließ.

8. Juni, Magnitude 3.2*: Hauptbeben Nummer 3, welches ähnlich wie das Beben in März in weiten Teilen von Darmstadt und Umgebung spürbar war. Es setzte um 16.16 Uhr ein. Einige Zeugen beschrieben es stärker als das M 4.2 Wochen zuvor. Allgemein war es aber relativ kurz und verursachte nur oberflächliche Schäden an einem Gebäude in Ober-Ramstadt.
Ein Nachbeben 8 Minuten später hatte M 1.3*, ein weiteres um 19.19 Uhr mit M 1.5*, welches zumindest in Ober-Ramstadt wahrgenommen wurde.

11. Juni, Magnitude 1.4*: Trotz geringer Stärke am Abend um 19.57 Uhr erneut an vielen Orten spürbar. Wir erhielten Zeugenberichte aus Groß-Bieberau, Nieder-Ramstadt und den Süden von Darmstadt

Unser Bericht zu den Beben vom 7.,8. und 11. Juni

13. Juni, Magnitude –: In Mühltal wurde ein weiteres Erdbeben um 12.16 Uhr leicht wahrgenommen. Magnitudenangaben gibt es bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.
Gegen 18.26 Uhr offenbar ein weiteres spürbares Erdbeben. Zeugenberichte haben wir bisher nicht erhalten, aber entsprechende Seitenzugriffe kurz nach dem Beben deuten auf Spürbarkeit hin.

14. Juni, Magnitude 1.5: Wir erhielten Meldungen aus Ober-Ramstadt und Nieder-Beerbach / Mühltal (Siehe Unten), dass dort um 11.50 Uhr erneut ein „leichtes Ruckeln“ wahrgenommen wurde. Auf Seismogrammen ist dieses Erdbeben deutlich erkennbar.
Laut Twitter-Usern wurde es auch in Darmstadt leicht wahrgenommen.

18. Juni
In den letzten Tagen hat es keine neuen, größeren Erdbeben gegeben, die spürbar waren. Zumindest erhielten wir keine Zeugenberichte zu sich ereignenden Beben. Das stärkste dieser kleinen Ereignisse war heute gegen 10.26 Uhr.
Mehrere Menschen aus der Region melden uns in den letzten Tagen, dass sie gelegentlich, teils mehrfach am Tag leichte Erschütterungen spüren oder Geräusche hören, die auf ein Erdbeben hindeuten. Meist stimmen angegebene Zeitpunkte nicht mit „echten“ Erdbeben, die auf Seismogrammen erkennbar sind, überein. Wir bitten dennoch weiterhin darum, eine Meldung abzugeben, sobald wieder ein Erdbeben wahrgenommen wird. Dadurch können wir wie gewohnt schnell auf diese reagieren und Informationen veröffentlichen.

23. Juni
Wie erhielten diese Mail:
„Ja ich muss einfach mal was los werden, hier wird ja so gut wie nichts mehr Eingetragen oder Nachgetragen, sollen wir damit beruhigt werden oder warum ist das? Wir, die Hier in diesem Gebiet leben, wir merken doch, dass da was nicht stimmt, also wir vernehmen immer mal kleine Rütller oder diese Donner- oder Grollgeräusche, was ist da eigentlich jetzt los man? Träumt schon davon, dass da was Größeres kommt, aber nun ja, wir sind ja nur das kleine Volk, die kann man für Dumm halten. Es würde mich freuen, wenn man da wieder öfters mal wieder was neues lesen kann und sich darin bestätigt fühlt, was man so fühlt hier in unserer Ecke.“

Als Antwort dazu:
Da wir nicht Vorort sind, wissen wir nicht, was passiert und was nicht passiert. Um zu wissen, ob es ein Erdbeben gab, sind wir auf Zeugen und Erdbebendienste angewiesen. Daten der Erdbebendienste werden in die Tabelle eingetragen, hinzu kommen bestätigte Meldungen von Zeugen.
Erdbebendienste sind bei kleinen Erdbeben (~ M 1) in den meisten Fällen sehr langsam, so dass es ggf. mehrere Tage dauern kann, bis es Daten dazu gibt. Vor allem am Wochenende.
Alternativ können wir nur sehen, wenn wir vermehrt Seitenaufrufe aus dem Raum Darmstadt haben, was auf ein spürbares Erdbeben hindeuten könnte. Da seit einigen Tagen die Online-Seismogramme des Hessischen Erdbebendienstes technische Probleme haben, kann dieser Hinweis auf ein Erdbeben nicht bestätigt werden. Deshalb geben wir auch keine Meldungen raus, wenn wir diese nicht (z.B. durch Zeugenberichte) bestätigen können, um Falschmeldungen zu verhindern.
Es findet keine Zensur oder Ähnliches statt. Keiner weiß genau, was passiert und keiner weiß, was als nächstes passieren wird (oder was nicht passieren wird).

28 Juni
Zwei Zeugen melden ein leichtes Erdbeben gegen 3 Uhr morgens. (Siehe Zeugenberichte unten)

29. Juni
Offenbar gab es heute gegen 9.50 Uhr ein weiteres spürbares Erdbeben. Details dazu gibt es noch nicht.

16. Juli
Um 6.33 Uhr und 6.50 Uhr gab es zwei leichte Erdbeben, nach Angaben des LGB Magnitude 1.2 und 1.0, die zumindest mit geringer Intensität spürbar waren.
Am 15. Juli hat es nach übereinstimmenden Zeugenaussagen ein größeres Erdbeben um 12.30 Uhr gegeben. Aus dem Seismogramm ist ein Signal gegen 13.17 Uhr zu erkennen. Daten dazu liegen nicht vor.

18. August
Nach Wochen der Ruhe ein neues, weithin spürbares Erdbeben der Stärke 1.9

22. August
Kurz nach Mitternacht wurde erneut ein Erdbeben in Ober-Ramstadt wahrgenommen. Bericht dazu

25. August
Die aktive zweite Augusthälfte setzte sich mit dem stärksten Erdbeben seit mehr als zwei Monaten fort. LGB nennt Magnitude 2.2. Die Erschütterungen waren wieder bis nach Darmstadt spürbar
Zudem berichten Zeugen wieder vermehrt von kleineren Erschütterungen, die mehrmals am Tag auftreten.

27. August
Ein Zeuge aus Fischbachtal meldet ein Erdbeben gegen 12 Uhr. Das Seismogramm bestätigt dies.

1. September

Gegen 22.03 Uhr die nächste Runde im Erdbebenschach Südhessen. Zumindest in Mühltal haben die Türme gewackelt.

10.September
Am Abend um 19.12 Uhr das nächste spürbare Erdbeben. Details hier.

19. September
Überraschung: Neues, kräftigeres Erdbeben im Süden von Hessen. Dieses Mal lag das Epizentrum allerdings nordwestlich von Darmstadt. Magnitude 2.5 wird angegeben. Aber auch in Ober-Ramstadt war es wieder spürbar. Mehr…

24. September
Aus Ober-Ramstadt kam diese Meldung: „24.09.2014 04.15Uhr, ca 3 sec. lang starkes grollen, als würde ein Zug unterm Haus durchrollen.“

29. Oktober:
Erdbeben der Stärke 3.4
E
s war das 28. spürbare Erdbeben im laufenden Jahr. Das zweitstärkste des Schwarmes und das zweitstärkste Deutschlandweit! BGR und Geofon nennen Magnitude 3.5 und 3.6. Deutliche Spürbarkeit wurde im Umkreis von 20 km um das Epizentrum (Mühltal) gemeldet, Einzelfälle auch darüber hinaus (z.B. aus Frankfurt am Main). Einige Zeugen aus Mühltal und Umgebung melden herabgefallene Gegenstände, Schäden am Putz und Inneneinrichtung. Teils sei das Beben heftiger gewesen als jenes im Mai, was Menschen veranlasste ihre Häuser temporär zu evakuieren und/oder den Notruf zu wählen. Schäden wir damals hat es aber zum Glück nicht gegeben.
Am Morgen des 29. Oktober hat es ein leichtes Vorbeben, M 1.1, gegeben, das nach Zeugenangaben auch ganz vereinzelt wahrgenommen wurde.

Besonders ist dieses neue Erdbeben in der Hinsicht, dass in den vergangenen Wochen praktisch keine Erdbeben rund um Mühltal/Darmstadt registriert wurden, keine spürbar waren. Ein Ende des Schwarmes war erhofft, aber der neue Schlag lässt Befürchtungen wachsen, dass es noch monatelang so weiter geht.

31. Oktober
Offiziell wird nun von einer Erdbebenserie gesprochen. Das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie stuft aufgrund der häufigen Ereignisse diese nun so ein, spricht gleichzeitig von ungewöhnlichen Ereignissen. Man müsse von weiteren Erdbeben in den kommenden Monaten ausgehen. (vollständiger text)
Diese „neuen Erkenntnisse“, die für regelmäßige Beobachter der Aktivität eigentlich keine Überraschungen darstellen, liefern neuen Nährboden für diverse Theorien zum Ursprung der Erdbebenaktivität. Zusätzlich die Angst, die durch die Erdbeben selbst ausgeht, und die Grundlage für wilde Verschwörungen ist gegeben. Leider ist diese Spekulation, die meist ins Absurde abdriftet, wenig hilfreich bei der Suche nach echten Erklärungen. Sofern es Erklärungen gibt:
Erdbeben sind mehr oder weniger zufällige Ereignisse. Sie passieren oder sie passieren nicht. Mal passiert lange nicht, dann ohne Grund innerhalb kurzer Zeit ganz viel. Mit der Hauptgrund, warum sie so gefährlich und unberechenbar sind.
Dass lange nichts passierte in Darmstadt und Umgebung ließ das Verständnis dafür, dass bald wieder was passiert, eintrüben. Dass schon mal was passierte, geriet in Vergessenheit. Seit dem haben sich die Umweltfaktoren verändert. Etwas, was von Anwohnern beobachtet wurde. Diese Beobachtungen wurden mit dem Neuauftreten der Erdbeben in Verbindung gebracht, wie es das normale Muster des menschlichen Verhaltens ist. Dazu erhielten wir auch einige Anfragen. Im Folgenden wollen wir diese „alternativen Erklärungsansätze“ für den Ursprung der Erdbebenserie darstellen. Am Ende wird keiner dieser Ansätze eine wirkliche Erklärung liefern können, und die Menschheit muss einsehen, dass nicht alles auf der Welt berechenbar ist und vieles außerhalb ihres Beobachtungskreises liegt, und einfach nicht beeinflussbar ist.

Erdgas- und Erdölförderung / Geothermie
Westlich von Darmstadt an der Grenze zu Rheinland-Pfalz befindet sich ein kleines Erdölfeld. Aus anderen Orten der Welt ist bekannt, dass Erdbeben durch solche Aktivitäten verursacht werden können. In diesem Fall ist dies auszuschließen. Die räumliche Distanz ist zu groß. Geologische Störungen (Oberrheingraben) verhindern zudem eine mögliche Bewegung von Flüssigkeiten vom Ölfeld zum Erdbebenherd Darmstadt.

Ähnlich sieht es mit der Region Groß-Gerau, wo vor einiger Zeit gefrackt wurde. Die Distanz zwischen beiden Orten ist groß, zudem liegt ein langer Zeitraum zwischen Beginn der Erdbebenserie und Fracks. Die beim Fracking indizierten Flüssigkeiten können ausschließlich Einfluss auf die angrenzenden Störungen nehmen. Die wahrscheinlich für die Darmstadt-Beben verantwortliche Störungszone verläuft von West nach Ost, weit an Groß-Gerau vorbei. Mehr dazu am Ende des Textes.

Militärflughafen
Vereinzelt tauchen Spekulationen auf, dass durch Aktivitäten auf einem nahe gelegenen amerikanischen Militärflughafen Erschütterungen ausgelöst werden. Ähnlich denen eines Überschallknalls, die dann erdbebenähnlich wahrgenommen werden.
Der Tektonische Ursprung der Erdbeben lässt sich durch Analyse seismischer Wellen nachweisen. Ein Einfluss von außen, also aus der Atmosphäre, ist definitiv auszuschließen.

Vulkanische Aktivität
Neben Darmstadt stand dieses Jahr auch das Vogtland im Zentrum der Erdbebenaktivität. Mehrere moderate Beben dort richteten auf tschechischer Seite der Grenze einige Schäden an. Wie allgemein bekannt, geht die dortige Schwarmbebenaktivität auf eine unterirdische Magmakammer zurück. Von einigen wurde diese Aktivität mit Darmstadt gleichgestellt.
Ein Fehler. Denn Vogtland-Beben finden recht tief statt, „näher“ an der Magmakammer, von wo Gase und heißes Wasser aufsteigen, was dann zu Erdbeben führt. Darmstadt-Beben sind sehr flach, im Bereich von 4 Kilometern. Eine Magmakammer in diesen Tiefen wäre längst durch andere Aktivitäten aufgefallen. Zudem zeigen die Erdbeben kein Verhalten, was auf vulkanischen Ursprung schließen lassen würde.

Militärische Aktionen
Wie immer, wenn irgendwo was passiert, taucht auch jetzt wieder diese Behauptung auf. Wie immer ist sie auch jetzt vollkommener Blödsinn. Erdbeben lassen sich nicht künstlich erzeugen und für militärische Zwecke verwenden.

 

Der Oberrheingraben wird als Ursprung der Serie immer wieder genannt, stellt er als Dehnungszone doch eine markante Erdbebenregion in Europa da. Typisch für Grabenbrücke ist es, dass der Boden sich dort langsam senkt.(Abschiebung) Am Rand kommt es dabei zu Spannungen und Erdbeben entstehen. Die Darmstadt-Erdbeben funktionieren ein wenig anders. Dabei kommt es nicht zur einseitigen Absenkung eines Segments relativ zum gegenüberliegenden. Sondern zu einer horizontalen Verschiebungen der Segmente gegeneinander.
Ähnliches tritt auch an Mittelozeanischen Rücken auf. Zwischen den Dehnungszonen gib es horizontale Störungen, die die einzelnen Abschiebungen verbinden.
Im Oberrheingraben verlaufen mehrere dieser Abschiebungen parallel zueinander in etwa Nord-Süd-Richtung. Südlich von Darmstadt verläuft dabei, so eine Theorie von Seismologen, eine Horizontalverschiebung in Ost-West-Richtung, die zwei dieser Abschiebungen verbindet. Tatsächlich belegen die Daten des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie, dass die Epizentren der Erdbeben südlich von Darmstadt wie auf einer Perlenschnur von Ost nach West verlaufen.
Diese Störung scheint nun wieder aktiv zu sein. Wie lange sie inaktiv war, wie viel Spannung sich aufgebaut hat, weiß im Moment niemand. (Einige Erdbeben nördlich von Darmstadt im August hängen nicht mit diesen zusammen. Ob dort eine weitere reaktivierte Störung verläuft, ist unklar) Wie viel Energie sie noch in Form von weiteren Erdbeben abgeben wird, lässt sich nicht sagen. Fast sicher scheint nur, dass sie noch nicht zur Ruhe gekommen ist.

2. November
Gegen 19.30 Uhr erneut ein kleiner spürbarer Erdstoß im Mühltal, die Magnitude lag wahrscheinlich deutlich unter M 2. Link

5. November
Kleines Erdbeben am frühen Morgen, das einige Leute aus dem Schlaf gerissen hat. Stärker als das Beben vor 3 Tagen.

6. November
Erdbeben Nummer 31 scheint vor allem östlich von Mühltal spürbar gewesen. Vermutlich bedingt durch ein östlicher gelegenes Epizentrum. Wie auch immer, mehrere Zeugen meldeten Knall und Erschütterung

12. November
In Ober-Ramstadt und Seeheim-Jugenheim trat kurz vor Mitternacht erneut ein leichtes Erdbeben auf. wie Zeugen melden. In diesem Fall war das Grollen signifikanter als die Erschütterung.

18. November
Gegen 11.53 Uhr: Erneut leichtes Erdbeben, wie Zeugen uns mitteilten.
Ober-Ramstadt: „Erneut ein ziemliches leichtes Beben hier; es hat nur ganz leicht und kurz vibriert und leise gegrollt.
Roßdorf: „18.11.14  ca.11.53 Uhr Roßdorf. Leichtes Beben.
Es war das 33. spürbare Erdbeben in Südhessen 2014.

Geschätzte Magnitude: 1.1 bis 1.3.

20. November
Zeugenmeldung aus Bensheim:
„20.11.2014 ca. 20.05 hat wieder der Boden gewackelt. Stuhl und Tisch spür- und sichtbar leicht vibriert. Das geht jetzt seit Tagen so – immer wieder Bodenerschütterungen spürbar.“

23. November
Mehrere Zeugen meldeten uns ein spürbares Erdbeben um 2.10 Uhr. LGB gibt es mit Magnitude 1.0 an.
Ober-Ramstadt: „in den letzten Tagen und besonders Nächten spürbare  viele kl. Vibrationen über mehrere Sekunden, nicht sehr stark aber deutlich spürbar, wohne im Dachgeschoss. Man merkt das die Erde unruhig ist, sogar die Kinder spüren diese „Schwingungen“ an den Füssen.“
Nieder-Ramstadt: „23.11 etwa 2:10. Kurzes (~2 Sek.) Erdbeben mit leichtem wackeln und lautem Geräusch, als würde ein Schwertransporter vorbeifahren. Etwas stärker als die kleinen Erdbeben zuvor, aber deutlich harmloser als die stärkeren Beben.“
Mühltal-Traisa: „Grollen um die angegebene Uhrzeit, ca. 1-2 Sekunden. Keine grosse Erschütterung.“
Mühltal-Trautheim: „23.11.2014      02:10
stärker als die letzten Wahrnehmungen: kurzes Grollen, leichter Stoß“

29. November
Sehr früh am Samstag Morgen wurden die Bewohner von Mühltal und Umgebung „aus dem Bett gerüttelt“. Eines der kräftigeren Beben der letzten Wochen folgte auf eine sechstägige Erdbebenpause. Der ausführliche Bericht.

8. Dezember
Da 10 Tage ohne Erdbeben in Südhessen viel zu viel sind (ironie off), folgt rechtzeitig das 38ste spürbare Erdbeben. Diesmal wieder sehr klein, um Magnitude 1. Bericht dazu

31. Dezember
Silvesterfeier in Mühltal – Mit einem Erdbeben der Stärke 1.8

20. Januar 2015
Am Morgen meldete man uns erneut ein leichtes Erdbeben im Raum Mühltal – Ober-Ramstadt.

3. Februar 2015
Gegen 09.57 Uhr: Meldung über spürbare Erschütterungen in Mühltal

15. März 2015
Das stärkste Erdbeben des Jahres mit Magnitude 2.5, gefolgt von einem kleineren Nachbeben traten am Sonntag Morgen auf. Mehr Informationen

16. März 2015
Ein drittes Erdbeben innerhalb kurzer Zeit ereignete sich am Morgen in Mühltal. Zur Stäkre dieses Erdbebens ist nichts bekannt. Es wurde von einigen Menschen wahrgenommen.
„8:02 Uhr – Und gerade wieder gab es ein leichtes Grollgeräusch. Erschütterung habe ich keine gemerkt.“

23. März 2015
Auch das 47. Erdbeben der Serie war ein etwas größeres. Vorläufig wird Magnitude 2.4 angegeben. In Mühltal und Umgebung wurden die Erschütterungen wahrgenommen, in Darmstadt diesmal nicht.

1. April 2015
Gegen 13.30 Uhr verzeichneten wir einen Anstieg der Seitenzugriffe aus dem Raum Mühltal. Das Seismogramm bestätigt, dass es ein neues kleines Erdbeben gegeben hat. Dieses war aber nicht wesentlich stärker als M1.

3. April
Gegen 12.40 Uhr konnten wir ein erneuten Anstieg der Seitenzugriffe aus dem Raum Mühltal beobachten. Kurz darauf bestätigten Aufzeichnungen ein kleines Erdbeben im 12.39 Uhr. Wir schätzen es auf Magnitude 1.1 bis 1.3 Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?
N
ieder-Ramstadt: „Bei der Rast auf dem Lohberg oberhalb von Nieder-Ramstadt am 03.04.15 um etwa 12:30 Uhr hab ich einen dumpfen Knall gehört. Gleichzeitig war auch ein einzelner leichter Stoß zu spüren. Zuerst dachte ich an eine Sprengung in den nahen Steinbrüchen, aber eigentlich wir da an einem Karfreitag ja nicht gearbeitet?“

6. April
Am Ostermontag wurde die 50 voll gemacht. Mit Magnitude 2.2 / 2.3 gehört es zu den stärkeren Erdbeben und ließ auch Menschen außerhalb von Mühltal aus dem Schlaf schrecken. Frohe Ostern. Mehr Details.

17. April
Ein kleines Erdbeben um Magnitude 2, aber deutlich spürbar

20. April
HLUG registrierte ein Erdbeben im Raum Darmstadt um 16.37 Uhr, das vorläufig mit M2.0 angegeben wird. Ein kleineres ging wenige Minuten voraus. Das Epizentrum ist nicht bekannt, auch haben wir keine Meldungen über Spürbarkeit erhalten. Nur eine Twitternutzerin aus Nieder-Beerbach meldet, dass dieses Beben spürbar war.
Weitere Infos

20. Mai
Zeugen aus Brensbach meldeten ein spürbares Erdbeben

23. Mai
Eines der größeren Beben der letzten Wochen: Magnitude 2.2 und bis nach Darmstadt hinein spürbar. Schäden gab es nicht, wohl aber „schräg hängende Bilder“ …

27. Mai
In Eberstadt hat es nach Zeugenangaben auf Facebook gegen 12.37 Uhr ein deutlich spürbares Erdbeben gegeben. Auch in umliegenden Orten haben einige Personen Erschütterungen wahrgenommen. Daten zu diesem Erdbeben gibt es noch nicht. Wahrscheinlich handelte es sich erneut im ein Beben mit Ursprung in Mühltal. Es ist das 57. spürbare Erdbeben
Update: das Bundesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe gibt M1.8 an
Mühltal
Ich tippe eher auf eine Sprengung im Nieder-Beerbacher Steinbruch. Sehr direkter, harter Knall mit viel Luftschall.

Darmstadt
27.05.15. ca. 12.36

Ein leichtes Grollen und Wackeln war zu spüren

wird ggf fortgesetzt…

*: Magnitudenangabe von LGB. Daten vom Hessischen Erdbebendienst liegen noch nicht vor. Sie können abweichen.


Das Zentrum der Erdbebenakivität während dieser Zeit lag knapp 10 Kilometer südlich vom Stadtzentrum Darmstadt entfernt. Eingerahmt wird es von den Orten Mühltal, Ober-Ramstadt und Ebersdorf, wobei einzelne Epizentren auch außerhalb dieses Bereichs lagen.

Die Region Darmstadt liegt am nordöstlichen Rand des Oberrheingrabens. Dabei handelt es sich um ein Gebiet, an dem sich die Erdkruste dehnt. Die Ränder des Oberrheingrabens bewegen sich millimeterweise pro Jahr auseinander. Dabei senkt sich das Gebiet und an den Rändern bauen sich Spannungen auf, die sich früher oder später in Erdbeben entladen.
Da die Bewegung am Oberrheingraben vergleichsweise niedrig sind, gibt es weniger Erdbeben als an anderen Dehnungszonen der Welt. Umso überraschender ist es für die meisten Menschen dann, wenn es doch mal passiert.

Der Odenwald, sowie das Rhein-Main Gebiet gehören dabei zu den Regionen, in der es historisch besonders viele Erdbeben gab. Vor allem der Erdbebenschwarm zwischen 1869 und 1871 erschütterte weite Teile Südwestdeutschlands und richtete erhebliche Schäden an.

Auch die aktuelle Situation kann als schwarmartig bezeichnet werden, wenn auch bei weitem nicht so ausgeprägt wie früher.

Über die Ursache der Erdbeben gab es vor allem nach dem dritten großen Erdbeben viele Spekulationen. Uns erreichten diesbezüglich viele Anfragen. Die wichtigsten haben wir hier zusammengefasst beantwortet.

Alle bei uns eingegangenen Zeugenberichte sind sortiert nach Erdbeben unten auf dieser Seite aufgelistet. Wenn sie eines oder mehrere der Erdbeben in Südhessen gespürt haben, auch welche die hier nicht aufgelistet sind, können Sie ihre Meldung mit Ort und Zeitpunkt hier einreichen. Vielen Dank.

Es ist wahrscheinlich, dass die Erdbebenserie noch nicht zuende ist. Es wird weitere kleine Erdbeben geben, die lokal spürbar sind. Auch „große“ Erdbeben, die jenseits der Landesgrenzen von Hessen noch wahrnehmbar sind, können nicht ausgeschlossen werden. Daher raten wir allen Menschen im betroffenen Gebiet sich auf solche Ereignisse vorzubereiten. Gegebenenfalls kann eine Erdbebenversicherung nicht schaden, denn früher oder später wird es wieder größere Erdbeben geben. Nicht nur in Darmstadt.

Wichtige Links:
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Historische Erdbeben in Deutschland
Themenbezogene Literatur
Erdbeben-FAQs
Hessischer Erdbebendienst
Erdbebendiest Rheinland-Pfalz

 

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