Erdbebentypen

Share Button

Ein Überblick über die verschiedenen Erdbebentypen. Die Unterscheidung der einzelnen Typen erfolgt anhand des Ursprungs, aber auch anhand der Frequenz der seismischen Wellen.

Tektonische Erdbeben: 
Der häufigste Erdbebentyp, der durch die tektonische Aktivität, also die Bewegung der Erdplatten, entsteht. Sie treten weltweit auf, meist in Herdtiefen von 10 bis 15 Kilometern, und sind mit Abstand der häufigste Erdbebentyp.
Beispiel: Großes Tohoku-Erdbeben (11.03.2011, Magnitude 9.1), Valdivia-Erdbeben (22.05.1960, Magnitude 9.5), Roermond-Erdbeben (13.04.1992, Magnitude 5.9)

Anzeige

Vulkanische / magmatische Erdbeben:
Erschütterungen, die in vulkanisch aktiven Gebieten infolge von Magmenbewegungen entstehen. Magmatische Erdbeben können dabei auftreten, auch ohne, dass es an der Oberfläche zu vulkanischer Aktivität kommt. Sie kommen in der Regel als Erdbebenschwarm vor. Die Herdtiefe ist dabei im Bereich des Magmenkörpers. Vulkanische Beben sind überwiegend schwach und werden selten stärker als Magnitude 6.
Beispiel vulkanisch: Mt. Saint Helens, USA (18.05.1980, Magnitude 5.7); Beispiel magmatisch: Lunayyir Harrat, Saudi-Arabien (19.05.2009, Magnitude 5.7)

Hydrothermale Erdbeben
Vor allem in Vulkangebieten, die eine hohe geothermale Aktivität zeigen, kann durch Bewegungen von heißem Wasser im Untergrund eine leichte Seismizität ausgelöst werden. In der Regel sind die Erdbeben nicht sehr stark. Die können schwarmartig auftreten und sind meist sehr nahe an der Oberfläche.
Auch aufsteigende Gase können Erdbebenschwärme verursachen. Dies wird zum Beispiel im Vogtland angenommen.
Beispiel hydrothermal: Katla, Island (30.09.2016, Magnitude 3.6)

Induzierte Erdbeben
Durch menschliche Aktivitäten / Eingriffe in die Geologie verursachte Erdbeben. Dabei kommt es zu einer Änderung der Spannung im Gestein, was die Bewegung von Störungen begünstigt, oder zum Teil zum Anlegen neuer Störungen führt. Charakteristisch ist die geringe Herdtiefe (meist unter 5 km). Induzierte Erdbeben werden unterteilt in:

  • Bergbau: In Gebieten, wo Untertage Rohstoffe (Kohle, Erze, etc.) abgebaut werden. Teils treten diese Beben auch im Umfeld von Tagebauten auf. Sehr selten sind sie eine Folge von einstürzenden Strecken. Das nach Betriebsende in Schächte eindringende Grundwasser erhöht ebenfalls die Erdbebengefahr. Sie gehören mit zu den flachsten Erdbeben (ca 1 km Tiefe) und werden entsprechend stark verspürt. Üblich sind Beben bis Magnitude 3, die stärksten erreichen Magnitude 6.
    Beispiel: Bottrop (28. Mai 2016, Magnitude 3.3)
  • Erdgas / Erdöl: Durch Ausbeuten von Lagerstätten kommt es zur Druckentlastung, was zu Erdbeben führen kann. Auch Grundwasserförderung kann Erdbeben auslösen. Die Herdtiefe ist dabei Abhängig von der Fördertiefe. Beben werden dabei selten stärker als Magnitude 4.
    Beispiel: Lüneburger Heide (20. Oktober 2004, Magnitude 4.5)
  • Verpressen: Durch massenhaftes Einlagern von Wasser oder Gasen in Gesteinsschichten erhöht sich der Porenfluiddruck im Gestein, wobei Erdbeben begünstigt werden.
    Beispiel: Oklahoma, USA (07. November 2011, Magnitude 5.6)
  • Fracking: In seltenen Fällen führt das Einpressen von Fluiden beim Frac-Vorgang zu leichten Erdbeben. Die allermeisten davon sind nicht spürbar. Ausnahmen bildeten bisher einzelne Beben in England, Ohio und Kanada.
    Beispiel: Alberta, Kanada (13. Juni 2015, Magnitude 4.4)
  • Stausee: Der hohe Grundwasserspiegel an künstlichen Seen erhöht den Porenfluiddruck im Gestein. Gleichzeitig sorgen die Wassermassen zu einer höheren Vertikalspannung. Die stärksten Beben treten in den Jahren nach der Errichtung der Staumauer auf. Die Magnitude ist abhängig von der lokalen Geologie.
    Beispiel: Assuan-Stausee, Ägypten (14. November 1981, Magnitude 5.1)
  • Geothermie: Das in Geothermie-Anlagen verwendete Wasser beeinflusst den Porenfluiddruck im Gestein. Die Magnitude ist überwiegend gering.
    Beispiel: St. Gallen, Schweiz (20. Juli 2013, Magnitude 3.6)
  • Explosion: Durch Explosionen in Steinbrüchen oder unterirdische Waffentests können erdbebenähnliche Erschütterungen verursacht werden. Je stärker die Explosion, umso stärker das Erdbeben.
    Beispiel: Nuklearwaffentest Nordkorea (06. Januar 2016, Magnitude 5.1)

Einsturzerdbeben
Natürlich vorkommende Hohlräume nahe der Erdoberfläche, zum Beispiel bei Salzstöcken oder in Karstgebieten, können einstürzen und dabei leichte Erdbeben verursachen, die trotz geringer Magnitude deutlich verspürt werden können.
Beispiel: Hamburg-Flottbek (08. April 2009, Magnitude 0.4)

Frostbeben
Durch plötzliches Gefrieren von Grundwasser verursachte Erschütterungen. Die Magnitude ist meist so klein, dass sie nicht ermittelt werden kann. Der Herd liegt in wenigen Metern Tiefe.
Beispiel: Oulu, Finnland (18.01.2016)

Niederschlag
In einzelnen Gebieten führen starker Niederschlag und Schneeschmelze zu Schwarmbeben von geringer Magnitude.
Beispiel: Bad Reichenhall (24.04.2012, Magnitude 3.2)

The following two tabs change content below.

Jens Skapski

Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

2 Kommentare

  1. Viele AKW stehen an tektonischen Plattengrenzen….. Wenn eins davon aus irgendeinem Grund “hochgeht” – würde das ein Erdbeben auslösen oder an der tektonischen Bewegung etwas verändern?

    1. Nein, selbst eine Nuklearexplosion (die es im Falle eines GAUs nicht gibt) würde nicht stark genug sein, um die Plattentektonik zu beeinflussen. Explosionen von Nuklearwaffen können als Erdbeben registriert werden. Je nach Sprengkraft variiert die Magnitude zwischen 5 (Nordkorea) und 7 (russische Wasserstoffbombe).

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.